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Sonntag, 27. April 2014

Festigkeitsvergleich von div. Heißklebersorten der Firma Bühnen

 Die vorgestellten Klebstoffe wurde mir für Testzwecke von der Firma Bühnen zur Verfügung gestellt.



Wie bereits im Artikel zur Heißklebepistole HB 220 angekündigt, folgt hier nun ein Vergleich von vier verschiedenen Heißklebersorten der Firma Bühnen. Die Klebstoffsorten wurden entsprechend meinem Haupteinsatzzweck "Holz" von Bühnen ausgewählt. Die Firma besitzt ein Sortiment von ca. 3000 verschiedenen Klebstoffen und da ich mich auf diesem Gebiet nicht auskenne, war ich auf Hilfe bei der Auswahl angewiesen.

Den Testablauf an sich habe ich an den Vergleich von verschiedenen Holzleimen angelehnt und noch um die Punkte Verklebung von beschichtete MPX und Stahl erweitert.

Die Testpunkte:

  1. Zwei Holzstücke längs verklebt, Überlappung 50x70mm, Hebelarm 140mm
  2. Zwei Holzstücke längs verklebt, Überlappung 50x27mm, Hebelarm 140mm
  3. Hirnholz auf Längsholz, Klebestelle 27x27mm, Hebelarm 120mm
  4. Beschichtetes MPX, Überlappung 50x60mm, Trennung per Hand oder Schraubendreher
  5. Stahl blank (2mm), Überlappung 50x50mm, Trennung per Hand oder Schraubendreher

Die Klebestellen wurden alle geschliffen, entfettet und verpresst.















Als Meßmittel kam diesmal eine digitale Zugwaage zum Einsatz.















Die von Bühnen ausgewählten Klebstoffarten sind (Testreihenfolge):

Bühnen A1289 auf Basis Ethylenvinylacetat-Copolymer
Bühnen B1321 auf Basis Polyolefine
Bühnen A1325.1 auf Basis Ethylenvinylacetat-Copolymer
Bühnen A0158.1 auf Basis Ethylenvinylacetat-Copolymer


 Die Ergebnisse der Testreihen:


A1289
  1. Längs 50x70mm: ca. 50kg
  2. Längs 50x27mm: ca. 22kg
  3. Hirnholz: ca. 3-4kg
  4. MPX: ließ sich durch hebeln mit beiden Leisten trennen. Leimfuge riss nicht, sondern die Klebstelle auf dem Material gabt nach.
  5. Stahl blank: ließ sich ohne großen Kraftaufwand trennen, Material verbiegt nicht, Kleber ließ sich per Hand abziehen.  




Die Sorte A1289 hat im Test die schwächsten Zugkräfte erzielt, für Verwendung im Schablonenbau ist die Festigkeit aber dennoch mehr als ausreichend.
Für Teile die später wieder getrennt werden müssen, da die Schablone z.B. nur kurzzeitig gebraucht wird, eignet sich der Kleber aber nicht so gut, da er sich nur mit Hilfsmitteln entfernen lässt und dabei zum "schmieren" neigt (Außer bei Stahl).

Da diese Sorte weder eine besondere Festigkeit aufweist, noch sich sauber entfernen lässt, halte ich sie für den Holzbau nur bedingt geeignet.


B1321
  1. Längs 50x70mm: ca. 70kg (mit Faserausrissen)
  2. Längs 50x27mm: ca. 28kg (mit leichten Faserausrissen)
  3. Hirnholz: ca. 6kg (mit leichten Faserausrissen)
  4. MPX: ließ sich per hebeln per Hand trennen, Kleber konnte per Hand abgezogen werden.
  5. Stahl blank: Höhere Festigkeit als bei A1289, Kleber kann nicht am Stück abgezogen werden.



Die Sorte B1321 hat eine deutlich höhere Festigkeit gegenüber A1289 und ist so auch für Verklebungen geeignet, die keine Anforderung an Festigkeiten wie bei Weiß- oder PU-Leim stellen, z.B. Zierleisten, Kranzprofile, Abstandhalter, o.ä.
Trotz seiner Festigkeit ist er der elastischste Kleber der Testkandidaten.
Der Kleber läßt sich von allen Materialien mit einem Scharfen Stemmeisen rückstandsfrei entfernen und schmiert nicht. So ist er auch sehr gut für Teile geeignet, die später wieder getrennt und wiederverwendet werden sollen.


A1325.1
  1. Längs 50x70mm: ca. 60kg (mit Faserausrissen)
  2. Längs 50x27mm: ca. 30kg (mit Faserausrissen)
  3. Hirnholz: ca. 12kg
  4. MPX: ließ sich nicht zerstörungsfrei trennen. Die Verklebung hielt das Material wurde beschädigt.
  5. Stahl blank: Sehr gute Haftung. Die beiden Teile konnten nur mit Kraft getrennt werden, dabei verbog sich das Material. 



Die Sorte A1325.1 hat mit Abstand die höchste Festigkeit bei Hirnholzverklebungen. Dies kann möglicherweise damit zusammenhängen, dass er im erhitzen Zustand der dünnflüssigste war und sich der Klebestoff deswegen  gut in den Holzfasern verankern kann.
Auch er ist ebenfalls gut für reversible Verklebungen geeignet, da er sich wie B1321 einfach rückstandsfrei entfernen lässt.
Kleiner Nachteil, er zieht beim Verarbeiten deutlich Fäden, das ist bei den anderen Kandidaten nicht extrem.


A0158.1
  1. Längs 50x70mm: ca. 75kg (Holz brach, Klebestelle hielt)
  2. Längs 50x27mm: ca. 35kg (starke Faserausrisse)
  3. Hirnholz: ca. 8kg
  4. MPX: ließ sich nicht zerstörungsfrei trennen. Die Verklebung hielt das Material wurde stark beschädigt.
  5. Stahl blank: ließ sich nur mit Gewalt unter starker Deformation der Blechteile trennen.












Die Sorte A0158.1 hat bei glatten Werkstücken die größte Festigkeit, die Verbindungen konnten eigentlich nur mit starker Beschädigung der Teile getrennt werden. Bei der Verleimung von Hirnholz hinkt sie etwas dem A1325.1 hinterher.
Die Sorte zog von allen am wenigsten Fäden.
Aufgrund der hohen Festigkeit, nicht für Schablonen oder sonstigem geeignet, was wieder ohne Schäden getrennt werden soll. Dafür aber sehr gut geeignet um irgendwelche Zierteile anzubringen.


Fazit:

Bis dato dachte ich: "Heißkleber? Was soll ich mit Heißkleber? Der hält doch nur Dekokram zusammen".
Mittlerweile sehe ich das anders. Hochwertiger Kleber erreicht Festigkeiten, die auch den ernsthaften Einsatz in der Holzwerkstatt ermöglichen.
Ein Möbel mit Heißkleber bauen ist natürlich nicht möglich, aber in Zukunft werde ich öfters Schablonen oder Vorrichtungen mit Heißkleber bauen. 
Die Vorteile liegen klar auf der Hand:  
  • Es geht schnell.
  • Es muss nichts gebohrt/geschraubt werden.
  • Die Einzelteile können später wiederverwendet werden und besitzen keine Löcher von den Schrauben.
Teile die später keine besonderen mechanischen Belastungen aushalten müssen, lassen sich problemlos mit Heißkleber anbringen.

Von den getesteten Klebern sind die Sorten B1321 und A0158.1 meine Favoriten.
B1321 im Bereich Schablonenbau oder als Zwingenersatz für kniffelige Stellen. Also alle Verklebungen die eine gute Festigkeit aufweisen aber auch gleichzeitig wieder vernünftig trennbar sein müssen.
A0158.1 wenn höchste Festigkeit und eine dauerhafte Verbindung gefragt ist.
Daneben ist der dünnflüssige A1325.1 der Spezialist für hohe Festigkeiten bei Verleimungen von Hirnholz.
A1289 kann mich im Bereich Holz nicht ganz überzeugen, weder hat er eine hohe Festigkeit, noch lässt er sich einfach von den Oberflächen entfernen.

Einen Nachteil gibt es allerdings bei Heißkleber, man muss sehr schnell sein, sobald der Kleber abkühlt wird er logischerweise wieder fest. Flächen sind da schwer so zu verkleben, dass möglichst keine Fuge entsteht . Eine dünne Leimfuge wie bei normalen Leimen ist so eigentlich nicht erreichbar, daher ist der Heißkleber kein Mittel, wenn Teile möglichst bündig und passgenau verbaut werden sollen.





Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    ich benutze für Hilfskonstruktionen auch gerne Heißkleber, da ich dann gleich wieder weiterarbeiten kann. Zur Zeit benutze ich die Pattex-Sticks (transparent und relativ elastisch), die ausreichend gut halten aber eine schlechte Eigenschaft haben: Beim Zurechtsägen von Klebestellen mit der Japansäge oder mit der Bandsäge werden die Zähne der Sägen dermaßen verklebt, daß sie vor dem Weiterarbeiten sehr mühsam wieder gereinigt werden müssen. Wie ist denn da Deine Erfahrung? Es wäre auch interessant, wie sich die unterschiedlichen getesteten Kleber verhalten.

    Viele Grüße
    Markus Kaps

    PS: Das paßgenaue Zusammensetzen von Teilen geht besser, wenn die Werkstücke mit dem Fön vorgewärmt werden. Ich mache sogar manchmal an der Klebestelle Rillen ins Holz, an denen sich der Kleber sammeln und rausquetschen kann. Schaut nicht so schön aus, ist mir bei Lehren oder Hilfskonstruktionen egal.

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    1. Hallo Markus,

      solche Erfahrungen hatte ich auch. Siehe die Anmerkungen zum Entfernen des Klebers. Das wird ähnlich sein, wie das Zersägen. Manche konnte man problemlos mit dem Stecheisen entfernen, eine Sorte schmierte und verklebte die Schneide.

      Grüße

      Michael

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  2. Hi Michael,

    Hast du bei manchen Klebungen auch das Holz schon selbst erwärmt um mehr "Verarbeitungszeit" zu haben?

    Schänen Gruß
    Daniel

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    1. Moin Daniel,

      nein habe ich nicht gemacht.
      Dadurch wird sich zwar das Verleimen vereinfachen, da etwas mehr Zeit und die Fugen werden sicherlich flacher, aber das wäre mir ehrlich gesagt zu kompliziert. Der Vorteil von Heißkleber ist ja die schnelle Verarbeitung, wenn ich dann noch anfange, zusätzlich mit Heißluftfön oder Bügeleisen zu hantieren, kann ich eigentlich genauso gut wieder normalen Leim oder Schrauben verwenden.

      Die Methode an sich, sollte aber funktionieren.

      Grüße

      Michael

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  3. Hallo zusammen,

    Zum Entfernen der Heißkleber benutzt man in der Ausbeultechnik Spiritus. Ein paar Tropfen genügen und man kann ganz leicht Kleberreste vom Autolack oder von dem Zugpilz abziehen. Auf Holz habe ich das noch nicht versucht. Vielleicht hilft es da auch?

    Gruß Horst

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    1. Hallo Horst,

      danke für den Tipp.

      Grüße

      Michael

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