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Samstag, 11. Oktober 2014

Tipp: Bestehende Bohrungen vergrößern

Das Problem:

Jeder kennt es sicher, eine gemachte Bohrung ist vom Durchmesser zu klein oder leicht versetzt gebohrt. 













Die Gründe dazu sind vielfältig: Falsch gemessen, falsch gegriffen, falsch gebohrt, falsch angezeichnet oder auch einfach die Meinung geändert und umentschieden.
Was macht man nun in so einem Fall, um das Werkstück und den verdienten Feierabend zu retten?

Bis zu einem Durchmesser von 10-20mm und wenn die Bohrung nicht ausrissfrei sein muss, kann man mit einem normalen Spiralbohrer ohne Zentrierspitze aufbohren. Je nach Durchmesserdifferenz sollte dabei aber in mehreren Abstufungen aufgebohrt werden. Gerade große Spiralbohrer neigen sonst dazu, sich förmlich in das Material zu schrauben.

Muss die Oberfläche ausrissfrei bleiben oder bewegen wir uns in Durchmesserregionen, für die kein Spiralbohrer vorhanden ist wird es schwierig, es steht eigentlich nur der Forstnerbohrer zur Auswahl und dieser benötigt zwingend eine Zentrierung oder Führung.










Es bleibt nur der Griff in die Trickkiste, dann ist das Problem schnell behoben und der Feierabend gerettet.


Die Lösungen:


Ich möchte hier kurz zwei mögliche Varianten vorstellen, mit denen es möglich ist, bestehende Löcher ausrissfrei aufzubohren.

Variante 1  ist die Verwendung einer Führung für den Forstnerbohrer.

Es wird in irgendein entsprechend großes Reststück ein Loch in dem benötigten Durchmesser gebohrt.
Die spätere Ausrichtung wird erleichtert, wenn vorher ein Fadenkreuz auf diese Schablone aufgezeichnet und das Führungsloch genau in dessen Zentrum gebohrt wird.









Anschließend wird diese Führung GENAU über dem falsch gebohrtem Loch ausgerichtet und (wichtig!!!) ordentlich fixiert. Dieses kleine Reststück hält den Forstnerbohrer anfangs genau auf Kurs, deswegen gut festspannen.











Danach kann dann einfach das Loch neu und mit dem richtigen Durchmesser gebohrt werden.













Problem gelöst. Feierabend!














Das hier war kein Wespennest, sondern die "Locken", welche der Zobobohrer aus dem MDF "gerollt" hat. Die Schärfe der Bohrer begeistert mich immer wieder.












Mit dieser Methode ist es auch möglich, ein Bohrloch leicht versetzt neu zu bohren.













Das geht im Prinzip, bis zum Rand der schon bestehenden Bohrung. Theoretisch auch darüber hinaus, je nachdem ist dann aber später die alte Bohrung sichtbar. Auch ist die neue Bohrung in dem Bereich dann offen und geschwächt. In so einem Fall empfiehlt sich, doch das Werkstück neu zu machen oder falls dies nur mit großen Umständen möglich ist, zuvor die falsche Bohrung mit einem Füllstück zu flicken.


Variante 2 eignet sich gut für kleinere Bohrungen. Bzw. die falsche Bohrung darf nicht zu groß sein und muss einen passenden Durchmesser zu einem vorhanden Holzdübel oder Rundstab besitzen.

Dieser wird in das falsch gebohrte Loch eingeschlagen, Leim ist keiner nötig, ...













... die neue Bohrposition angekörnt ...














... und gebohrt.














Ich habe nicht komplett durchgebohrt, so kann man noch erkennen, wie der Dübel die Zentrierspitze führt.













Der Dübel, wenn er recht stramm in die falsche Bohrung passt, muss auch nicht über die komplette Tiefe reichen. Es reicht wenn er so tief geht, bis sich der Forstnerbohrer über die Seitenflächen selbst führt.





Kommentare:

  1. Klasse, interessante Lösungen!

    Lukas

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  2. Gute Anleitung. Leider zu spät gefunden. :o]
    Meine Herausforderung war die Erweiterung der Bohrungen/Aufnahmen für Gitarrenmechaniken/-tuner von 9mm auf 10mm.
    Rockinger (Gitarrenbedarf) empfiehlt dafür die Verwendung von Senkern. Funktioniert auch, sofern die vorherigen Bohrungen "auf Linie" liegen. Wenn nicht, erscheint mir deine "Führungsmethode" variabler, zumal üblicherweise vorhandene Bohrer verwendet werden können.

    Gruss + Danke für die Wissensteilung!

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  3. So einfach! Danke, da waer ich nie von selbst draufgekommen

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  4. Bei Variante 2 hatte ich schon einmal das Problem, dass sich der Holzdübel plötzlich mitdrehte, weil er aus hartem Buchenholz war und drumrum nur Spanplatte. In diesem Fall ist dann wohl ein Dübel aus weicherem Holz und einleimen ratsam-

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  5. super Anleitung. muss auf einer Treppe die Löcher der Stäbe ausfüllen, da für die neue Treppe keine Stäbe mehr in jeder Stufe verankert werden. Altes Loch: 22mm, Fülldübel: 25 oder 30mm. Also nach der Anleitung sollte es klappen.

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  6. Danke für den tollen Tipp. Hatte einen IKEA-Schreibtisch mit kleinem Loch für Kabeldurchführung (ca. 65mm). Das sollte aufgebohrt werden, um Platz für ein Ladegerät zu machen (Durchmesser 77mm). Mit dem Tipp mit der Schablone hat es dann sehr gut geklappt.

    Noch eine kleine Ergänzung: Wer ein paar Holzreste hat, kann das ganze auch zunächst daran üben. Das verschafft einige Sicherheit.

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