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Freitag, 12. Dezember 2014

Tipp: Winkelfehler beim Fügen korrigieren.

In einer losen Folge von Beiträgen möchte ich Euch einige kleine Tipps & Kniffe im Umgang mit Handwerkzeugen für die Holzbearbeitung mit auf den "holzigen Weg" geben.

In dieser Folge geht es um das Korrigieren von Winkelfehlern, die beim Fügen einer Kante entstehen können oder bereits beim Zuschnitt passiert sind.

Wie man eine auf ganzer Länge gerade Kante erzeugt, habe ich ja im letzten Artikel gezeigt. 
Gut, also gerade ist nun unsere Kante, aber (in diesem Beispiel) stimmt der 90° Winkel nicht.

Vorne ist er aus dem Winkel ...














... in der Mitte ebenso ...














... nur im hinteren Bereich stimmt er wieder.














Ich und wahrscheinlich alle Anfänger in Sachen Handhobel, werden wohl versucht haben, durch leichtes Abkippen des Hobels den Winkelfehler irgendwie zu korrigieren.
In 99% der Fälle führt das ....NICHT zum Erfolg. Die Kante wird eher rund und es stimmt dann gar nichts mehr.

Was also tun?

Durch die Überprüfung mit dem Schreinerwinkel weiß man, wo korrigiert werden muss.

Anfangs ist es sinnvoll, diese Bereiche mit einem Bleistift zu markieren. Somit weiß man wo man Material abtragen muss und erkennt auch später ob an den richtigen Stellen gehobelt wurde.
















Also ein kippen des Hobels ist tabu, er wird weiterhin möglichst im richtigen Winkel zur Referenzfläche gehalten.

Ein Winkelfehler bedeutet ja im Prinzip nichts anderes, als dass auf einer Seite noch zuviel Materiel stehen geblieben ist. 
Dieses muss nun gezielt entfernt werden.

Dazu setzt man den Hobel nur mit der Kante auf und hobelt nur einen sehr schmalen Streifen weg.













Ist der Fehler wie in diesem Beispiel nicht auf ganzer Länge vorhanden, muss der Hobelvorgang an entsprechender Stelle unterbrochen werden.
Dabei nicht einfach stehenbleiben, sonst gibt es eine Stufe, sondern aus dem Werkstück seitlich hinaus fahren.

Das Einhalten der Hobelbreite und des Winkels wird wesentlich einfacher, wenn man den Hobel nicht am vorderen Knauf hält, sondern so wie auf dem Bild zu sehen. 

Der Daumen drückt von oben und der Zeigefinger dient als kleiner "Fügeanschlag".













Beim nächsten Zug, wird der Hobel ein Stück weiter auf die Kante gesetzt.













Und so weiter. Wie viele versetzte Striche notwendig sind, hängt zum einen von der Größe des Winkelfehlers, als auch von der Spanabnahme ab.
Ich hobel meistens zwei mal und kontrolliere das Ergebnis. Dann sehe ich ja, ob ich noch weiter Material abtragen muss, der Winkel stimmt oder es vielleicht sogar schon zuviel war.
Wenn zuviel, das gleiche nochmal, nur von der anderen Seite aus.

Der Vorgang braucht wie so vieles beim Hobeln einiges an Gefühl und auch Erfahrung. Bei den ersten Malen, hobelt man meist zuerst zuviel weg, muss dann nochmal von der anderen Seite, hat dann einen Winkelfehler an ner anderen Stelle, aber mit etwas Übung bekommt man schnell den Dreh raus und weiß wie viel und an welchen Stellen etwas wegzunehmen ist, damit der Winkel passt.

Hat man die Kante nun gehobelt und der Check mit dem Winkel schaut so aus ...


... ist alles wieder im Lot.

Zum Abschluss hobel ich noch einmal über die gesamte Kante, um evtl. Unebenheiten zu eliminieren.

Wenn der Winkel stimmt, wie hält man ihn dann ein oder warum wird die Kante schräg?
Komplett kann ich die Frage nicht beantworten. Das "Nicht-leicht-schräg-hobeln" einer Kante ist etwas, da muss ich auch noch üben.

Ein Punkt, den man kontrollieren sollte, bzw. muss, ist die Lateraleinstellung des Hobelmessers. Dieses MUSS genau parallel zur Hobelsohle stehen, tut es das nicht, nimmt es auf der Breite des Messers unterschiedlich viel Material ab und die Kante wird zwangsläufig schräg.

Aber ich vermute, jeder der schon etwas Erfahrung mit Hobeln hat, wird auch ein Auge auf die Lateraleinstellung haben. 
Trotzdem kann es passieren, dass die gehobelte Kante einen Winkelfehler bekommt.
Durch den seitlichen Stand zum Werkstück passiert es recht schnell, dass man auch leicht schräg Druck auf den Hobel gibt und dann werden die Kanten schief. 
Das Ganze ist eine Kombination, zwischen richtiger Standposition, richtigem Ausführen der Bewegung, eher nicht mit den Armen schieben, sondern mit dem Oberkörper und dem richtigen Halten des Hobels. Tja und das ist wieder eine Sache des Gefühls und der Übung. Wenn ich das Geheimrezept gefunden habe, werde ich es mitteilen. :)

Was mir sehr hilft ist die optische Kontrolle des erzeugten Spans. 

Wenn die Kante gut gefügt ist, MUSS der Span gleichmäßig die gleiche Breite wie das Werkstück haben.













Ist das nicht der Fall, ist irgendwo der Wurm drin, zwar nicht im Holz, aber im Hobeln.
Entweder ist die Kante doch noch nicht gleichmäßig geplant oder man hat den Hobel "verrissen" und steht somit kurz davor einen Winkelfehler zu produzieren.

 












 

Dann ist am besten erst mal Ursachenforschung angesagt, um herauszufinden, was falsch gelaufen ist und das dann direkt zu korrigieren.
Einfach munter weiter zu hobeln ist der falsche Weg, der Fehler wird nicht behoben sondern nur noch vergrößert.


Kommentare:

  1. Ein Riesenblogbeitrag. Danke dafür, dass die Fotos wieder so hohe Qualität haben. Den Text muss ich mal in Ruhe durchlesen, habe ihn nur ein wenig überflogen.

    Aber in der Qualität und Ausführlichkeit nun als Blogbeitrag? Respekt. Wieso nicht daran denken, mal ein Buch zu veröffentlichen oder einen Artikel in der Holzwerken-Zeitschrift?

    Ich wünsche jedenfalls weiterhin viel Spaß und viel Erfolg.

    Liebe Grüße

    Peter

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    1. Hallo Peter,

      danke für den netten Kommentar.
      Ein Buch?????? Oha ich denke oder bin mir recht sicher, dass mein Wissen bei weitem noch nicht ausreicht um ein Buch zu füllen, welches auch den Anspruch den ich an ein solches habe zu erfüllen.
      Mit Holzwerken hatte ich mal Kontakt, aber es ist an meinen fehlenden Kenntnissen in dem ach so beliebten Sketchup und meiner Werkzeugauswahl vorerst gescheitert.

      Grüße
      Michael

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  2. Ich finde es gut, daß nicht jeder Holzwerker heute gleich sketchup und co. beherrschen will, sondern mit guten alten Zeichenmitteln oder der Zeichnung im kopf an Projekte rangeht.
    Ich lese genau deswegen deinen Block so gerne.
    sketchup ist, wie viele Programme, nicht einfach in ein paar Tagen erlernt, man investiert hier mehr Zeit am Computer als in das eigentliche Hardware-Projekt.
    Bleib bitte deiner vorzüglichen Berichterstattung treu und zeig mir/ uns weiterhin so tolle Projekte aus deiner Werkstatt, die wohl viele Holzwerker in ähnlicher Form Zuhause vorfinden.
    An dieser Stelle auch mal meiner herzlichster Dank an dich für deine Seite und deine Bemühungen. Nicht jeder weiss, welche Arbeit da oft dahintersteckt.

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    1. Hallo Stefan,

      danke für Deinen Kommentar.
      Ich hab ja Sketchup und einige CAD Programme ausprobiert, für mich ist das nichts. Ich bleibe lieber bei Papier, Bleistift und Phantasie.
      Sketchup hat schon Vorteile, wenn es um eine Präsentation geht oder um sich die Proportionen eines Möbels vorzustellen, letzteres ist im Kopf nicht so ganz leicht.
      Aber egal, für absehbare Zeit, habe ich Sketchup abgehakt.

      Grüße
      Michael

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