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Freitag, 16. Januar 2015

Projektvorstellung: Tablettlade

Tabletts sind zwar recht praktisch, aber wohin damit, wenn man sie nicht braucht?
Bei uns lagen die beiden Tabletts schon lange auf der Mikrowelle. Soweit nicht verkehrt, nur verdeckten sie dabei auch die Abluftöffnungen und jedesmal, wenn man die Mikrowelle nutzen wollte, musste man die Tabletts zur Seite schieben. Das nervte mich doch zusehends.

Als langfristige Alternative bot sich die Unterbringung unter der Arbeitsplatte an, diese ist auf fast 2m frei von Unterschränken.

 Kurz die nötigen Maße genommen und schon konnte es losgehen.



















Als Material dienen einige Reste. Sinnvolle Resteverwertung also.














Gleichzeitig beginnt mit diesem kleinen Projekt ein Feldversuch: Ist es möglich mit dem MFT (oder sonstigem Sägetisch)  + einer Tauchsäge und einer Kappsäge eine TKS sinnvoll zu ersetzen?
Dieses wurde ich jetzt schon öfters gefragt und auch in den Foren kommt dieses Thema immer wieder hoch. In kleinen Werkstätten wäre es natürlich schön, auf eine doch platzfressende Tischkreissäge möglicherweise verzichten zu können.
Bis jetzt waren meine Gedanken dazu mangels Kappsäge sehr theoretisch, nun habe ich die Möglichkeit das Ganze auch in der Praxis selbst auszuprobieren und dadurch auch wirklich was handfestes sagen zu können.


Bevor es an den Zuschnitt geht, habe ich alle Reststücke bis Körnung P180 vorgeschliffen.

Der Schliff an wenigen größeren Teilen ist einfacher und schneller erledigt, als später alle Einzelteile schleifen zu müssen.













Da die beiden Platten (18mm Buche Leimholz für die Seiten und 10mm Pappel Sperrholz für den Boden) nicht rechtwinklig waren, habe ich sie zuerst entsprechend formatiert.

Der Zuschnitt erfolgte auf dem MFT mit der Tauchsäge. 
(Anmerkung zum Feldversuch: Wer einen Sägetisch oder ein Zuschnittbrett wirklich ernsthaft nutzen möchte, sollte sich die Zeit nehmen und dieses so exakt wie möglich justieren, nur so sind genau winklige Schnitte möglich. Bei dem MFT ist das durch das CNC gefräste Lochraster in der Platte recht unkompliziert. Einer meiner Vorsätze für dieses Jahr, einen entsprechenden Artikel zu der Justage.)

Zuerst wird eine gerade Bezugskante angesägt ...














... danach kommt diese Kante gegen den Anschlag und es wird ein rechter Winkel an eine Schmalseite gesägt. Die Ecke wird markiert und dient für alles weitere als Referenz.












Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. 














Wenn der Tisch exakt justiert ist und das Werkstück gegen verrutschen gesichert, stimmt der Winkel exakt.

Als letzten Schritt habe ich mit der frisch gesägten Schmalseite am Anschlag auch an der zweiten Kante einmal entlang gesägt. Wozu das? Dazu später mehr.

Nochmals eine kurze Kontrolle der Parallelität, alles im grünen Bereich. 
(Anmerkung zum Versuch: Nicht wirklich schlechter als wie auf der TKS, nur halt etwas aufwendiger in der Durchführung.)
















Das gleiche habe ich dann noch mit der Sperrholzplatte gemacht.
 Referenzkante angesägt, ...

... Winkelkontrolle ...















... und auf Maß gesägt (Stichmaß kontrollieren schadet nie.)















Der Boden der Lade soll später in einem Falz sitzen. Die Dicke ist 10mm, also wäre ein Falz von 10x10mm nicht schlecht. Möglichkeit 1 wäre mit Nutfräser und Parallelanschlag zu arbeiten, aber ich habe einen 9,5mm Falzfräser mit Anlauflager, damit geht es einfacher.


Zuerst aber noch, da ich mit der MFK 700 arbeiten möchte, die Tiefe des Falzes mit dem Streichmaß angerissen.













Und nun seht Ihr auch, warum ich zwei Seiten an der Leimholzplatte formatiert habe.

Ein größere Platte lässt sich leichter zum Fräsen fixieren, als zwei 80mm breite Streifen.













Bei 9,5mm fehlt zu 10mm noch ein Stück, die 0,5mm habe ich mit zwei Zügen mit dem Simshobel entfernt.













So passt der Boden bündig in die Fälze.















Ich brauche aber keine eine Platte, sondern zwei einzelne Seitenteile.
(Eigentlich würde ich jetzt zur TKS schreiten und die Streifen absägen, aber ich möchte es ja nur mit Tauch- und Kappsäge durchführen.)

Hierbei kamen die beiden Parallelanschläge SA-LR32 zum Einsatz.


Einstellen, absägen ...















... und das Ergebnis sind zwei exakt gleich breite Streifen ...














... mit dem gewünschten Maß von 80mm















(Anmerkung zum Feldversuch: Klappt ebenfalls sehr genau. Man muss sich nur die Zeit nehmen und die beiden Anschläge exakt gleich einstellen. Ob die beiden Seitenteile jetzt genau 80 oder 79 oder 81mm haben ist egal. Sie müssen nur genau parallel und beide gleich breit sein. Stichwort Wiederholgenauigkeit. Auf der TKS wäre es zwar deutlich schneller gegangen, aber es geht auch ohne diese sehr präzise.)

 Anschließend habe ich die Seitenteile auf die benötigte Länge gekürzt.


An einem Teil habe ich die Länge angezeichnet und beide bündig auf der Kappsäge ausgerichtet und fixiert. Sägen und fertig.













Als nächstes mussten die Eiche Streifen welche später die Sichtblenden bilden, auf Breite gesägt werden.
(Anmerkung zum Versuch: Hier stößt man an die Grenzen was mal eben mit der Tauchsäge + Führungsschiene zu bearbeiten geht. Schmale Streifen von einem breiten Brett absägen, ist wie oben gezeigt kein Problem. Knifflig wird es aber, schmale Streifen, von einem eh schon schmalen Brett abzusägen. Es fehlt der Führungsschiene an Auflagefläche und dass Brett neigt beim Sägen zum verrutschen.)


Es muss also zu Hilfsmitteln gegriffen werden.
Zum einen muss die Auflagefläche für die Schiene vergrößert werden, damit sie möglichst mit der ganzen Breite aufliegt.


Dazu legt man einfach andere Hölzer mit gleicher Materialstärke unter (Diese dienen gleichzeitig in Verbindung mit der Zwinge gegen seitliches verrutschen).












Weiter muss das Werkstück daran gehindert werden, beim Sägen durch den Druck der Säge, nach vorne wegrutschen zu können.

Dazu kann ein einfaches Reststück welches mit einer Zwinge fixiert wird dienen. (In einem späteren Artikel, zeige ich eine elegantere Lösung).












So alle Teile für den Rahmen sind soweit zugeschnitten.














Auf dem Bild erkennt man auch noch drei Leisten zum späteren Anschrauben unter der Küchenarbeitsplatte und einen Falz an der langen Eiche Leiste. Diese Arbeitsschritte habe ich nicht dokumentiert, da die Anfertigung nichts neues war.

Die drei Montageleisten bekamen noch je zwei gesenkte Bohrungen.
Nach dem Anzeichnen, ging das mit dem Festool Bohrsenker in einem Rutsch.








Danach konnte es mit dem Zusammenbau losgehen.


Da man die Lade später nicht mehr wirklich sieht, habe ich zum Ami-Woodworker liebsten Spielzeug gegriffen, dem Druckluftnagler.












Damit erspart man sich, in vielen Fällen den Einsatz von Zwingen und die Wartezeit zum Weiterarbeiten entfällt.

Es schadet natürlich nicht, wenn man auch hinschaut, was man macht.
Die erste Montageleiste habe ich nämlich prompt falsch rum angenagelt. Und das ist ein Nachteil, Zwingen könnte man lösen und das Bauteil drehen, bei Stachkopfnägeln ist das schwer.

Eine Verlängerung und ein kleiner Querlochsenker lösten das Missgeschick.










Im nächsten Schritt habe ich die Seitenteile und das Rückteil mit der Bodenplatte verleimt.

Die Einzelteile.















Da ich nur zwei Hände besitze, habe ich die Teile mit Zwingen in Position gehalten und dann ein paar Nägel eingeschossen.













Trotz der Nägel, habe ich diesmal nicht auf Zwingen verzichtet.




 















Etwas Handarbeit war auch nötig. Die seitlichen Blenden brauchen noch eine Aussparung für den Boden.













Diese habe ich zuerst soweit es geht mit der Feinsäge eingesägt und dann mit einem 10mm Stemmeisen ausgestemmt.













Passt!














Jetzt musste nur noch der Blendrahmen zusammen gesetzt werden.

Den Querrahmen musste ich vorher noch auf die exakte Breite ablängen.

Mit etwas Übermaß angezeichnet und mit einigen Schnitten auf der Kappsäge ...














... exakt eingepasst.















Aufgrund des Bodens und weil ich den Blendrahmen nicht unnötig breit machen wollte, war nicht genug Platz für einen Domino Dübel oder eine Zinkung.



Ich habe mich dann dazu entschieden, beide Teile trotz Hirnholz stumpf miteinander zu verleimen. Dabei habe ich zu einem PU Leim gegriffen, da dieser die höchste Festigkeit bei meinem Test bei Hirnholzverleimungen zeigt. 











 Nach dem Aushärten habe ich nachträglich noch einen langen 6mm Runddübel eingesetzt.
Da der Blendrahmen später mit der Lade verleimt und verschraubt wird, ist das völlig ausreichend.






 
Während der Trocknungszeit, habe ich noch alle Kanten der Lade leicht mit dem Handhobel angefast.













Die Seitenblenden sind immer noch zu lang, deren Höhe habe ich als nächstes angezeichnet, aber noch nicht abgelängt.













Zuerst bekamen die Innenkanten noch eine 45° Fase angefräst ...














... und die Außenkanten ein Karnisprofil.















Durch die noch zu langen Rahmenteile, hatte die Fräse eine größere Auflagefläche und die Gefahr bestand nicht, am Ende mit dem Fräser abzukippen.

Die Fase in den Innenecken, dort wo der Fräser wegen seinem Anlauflager nicht hinkommt, habe ich noch per Hand nachgestemmt.












Erst jetzt habe ich die Rahmenteile auf das Endmaß gekürzt.

Ein gut justierter Laser an der Kappsäge ist sehr hilfreich. Laser mit Anriss in Deckung bringen und kappen.













Damit der Blendrahmen optisch zum Rest der Küche passt, griff ich diesmal entgegen meiner Vorlieben für Öle, zu einem Sprühlack.












Den hatte ich schon mal bei Instandsetzungsarbeiten verwendet und er passt sehr gut.
Nachteil bei diesem Produkt, es riecht recht streng und er braucht sehr lange zum trocknen. Bin ich von Sprühlacken aus der Dose eigentlich nicht gewohnt.

Der Rest der Dose kam auf die Lade. Eigentlich wollte ich die ölen, aber wenn ich schon am sprühen bin.













Für den Abzug der Dämpfe und damit ich nicht das ganze Haus einstinke, kam mein Abzug zum Einsatz.



Das ist ein abgekantetes Blech, welches sich auf das Fenstergitter stecken lässt und mit sechs starken PC-Lüftern versehen ist. Angetrieben von einem 13,8V Netzteil reicht die Absaugleisung dafür, dass sich der Geruch nicht in den übrigen Keller und damit ins Haus ausweitet.










Der Lack hat über zwei Tage gebraucht, bis er sich trocken anfühlte

Danach erst konnte ich weiter arbeiten.

Den Blendrahmen habe ich seitlich per Taschenbohrungen mit der Lade verschraubt.

Für eine Passende Position habe ich die Kreg Bohrlehre mit dem beiligenden "Spacer" versehen. Ohne diesen ist die Position passend für 12mm und mit Spacer für 19mm Material. Da ich 18mm verwendet habe, kommt es gut hin.











Bohren, ...















... anschrauben und fertig.















Den Boden habe ich in den unteren Boden nur eingeleimt, diesmal keine Nägel. :) Die wären sichtbar und das wollte ich nicht.













Und so schaut die Tablettlade montiert aus.










Zum Feldversuch

Erstes Fazit: Auch solche eher kleinen Bauteile gehen auch ohne TKS. Für mich ist es zwar eine Umstellung, aber bis jetzt war alles möglich.
Ich werde das noch weiter ausprobieren.
Was sehr gut und auch schnell funktioniert ist das Formatieren von Platten. Bis auf die Tatsache, dass man jedesmal die TS von der Schiene nehmen muss, nicht sonderlich aufwendiger als auf der Tischkreissäge. Die Genauigkeit ist auch völlig OK.
Schmale Leisten absägen ist deutlich aufwendiger und bedarf auch einer genauen Vorbereitung (Vorallem dem einstellen der Parallelanschläge und dem Ausrichten des Werkstückes an diesen). Macht man es sorgfältig werden die Ergebnisse aber auch sehr genau. Von der Schnelligkeit aber kein Vergleich zu einer TKS mit Längsanschlag.
Problematisch ist das bearbeiten von schmalen Werkstücken. Da bedarf es Hilfsmittel und auf dem Gebiet ist die Tischkreissäge ganz klar im Vorteil.
Was ich als deutlich angenehmer empfand ist das Ablängen mittels einer Kappsäge. Das geht deutlich schneller und vorallem auch bequemer als auf der Tischkreissäge mit Schiebeschlitten.





Kommentare:

  1. Hallo Micha,
    tolle doku und der Vergleich ist sicher für viele hilfreich.
    Wie du weist habe ich eine ganze Zeit auch nur mit TS und Kappsäge gearbeitet.
    90-95% der Arbeiten lassen sich so erledigen, dauern aber länger und man muss öfters Basteln oder improvisieren was viel Zeit kostet. Aber wenn es an die Bearbeitung von kleinen oder sehr schmalen Stücken geht wird es schwierig und möglicherweise auch gefährlich.
    Auch wenn es um Schnitte abseits der 90 oder 45° geht, also das Blatt schräg gestellt werden soll, wird es sehr schwer exakt zu arbeiten.
    Aber wie du schon sagst, nicht jeder hat das Geld und den Platz für eine gute TKS.
    Im Vergleich zu einer günstigen TKS liegt die Kombination gute Tauchsäge & Kappsäge auf jeden Fall vorne.
    Viele Grüße
    Patrick

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  2. Wieder ein toller ein undrucksvoller Baubericht von dir. Aussagekräftige Bilder und Texte sind man ja von dir mittlerweile gewohnt, ein Grund mehr, dies aber mal wieder deutlich hervorzuheben. Danke.
    Ich verwende ebenfalls ne Kombination aus Tischkreissäge, Kappsäge und Zuschnittsbrett. Besonders letzteres hat ein paar Vorzüge gegenüber dem MFT.
    Der Prebena kommt bei mir auch durchaus das ein oder andere mal zum Einsatz, besonders, wenn man, so wie du, nicht lange mit der weiterarbeit warten möchte und die Pin´s im Nicht-Sicht-Bereich liegen.

    Dein Blog ist und bleibt für mich der beste deutschsprachige in dieser Form. Keine Lehrerhaltung von oben, sondern der Handwerker von nebenan (von Heimwerker kann man hier nicht mehr sprechen).

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  3. Hallo Micha,

    über diese Variante habe ich auch schon nach gedacht. Mich würde es freuen, wenn Du die "Reihe" noch weiterführst. Vielleicht wäre es eine Variante für den Hobby Holzwerker sich eine kleine TKS zu kaufen und für die Plattenzuschnitte mit MFT und TS zu arbeiten. Weil gerade bei Plattenzuschnitte schwächeln Heimwerksägen sehr schnell. Alle was über 500 mm Breite vor dem Blatt ist, bedarf es schon eine richtig gute bis sehr gute TKS um das zu händeln. 50- 100 mm packt "Jede" kleine TKS mag ich mal behaupten.

    Hingegen 600 oder gar 800 mm ist für die Tauchsäge ein sicheres Kinderspiel.

    Gruß Andi


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  4. Danke für diese ausführliche Beschreibung.

    Ich habe bisher auch keine TKS und habe mir dafür einen Längenanschlag für die Tauchsäge gebaut (http://holzhandwerk.andreas-kalt.de/zuschnittbrett-laengenanschlag/). Der ist aber noch neu und muss sich in größeren Projekten erst noch bewähren. Für schnelle Abläng-Schnitte war er schon gut.

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  5. Hallo Micha,

    ich find's toll, dass du dir die Mühe machst, das alles auszuprobieren und zu beschreiben, obwohl du eine TKS hast. Ich bin mittlerweile froh um meine CS 70 und würde mir die Mühe sicherlich nicht machen.

    Deinen Abzug aus PC-Lüftern finde ich ja genial. Da habe ich auch noch ein paar alte herumliegen. Gut möglich, dass ich diese Idee mal aufgreife.

    Viele Grüße
    Reinhard

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  6. Hallo Micha,

    Danke für den Vergleich TKS zu Tauchsäge und Kappsäge. Das Thema beschäftigt mich öfters, weil ich in meiner kleinen Werkstatt keine TKS habe und daher alle Schnitte mit der Tauchsäge mache.
    Wie Patrick auch schon geschrieben hat, ist das bei schmalen Teilen nicht sehr komfortabel. Da bastelt man dann für einen einzelnen Schnitt gerne mal einige Minuten eine Spannvorrichtung, aber mit der Zeit entwickelt man da natürlich auch etwas Routine.

    Viele Grüße
    Niels


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    1. Moin Nils,

      ja schmale Teile sind ein Problem.
      Ich habe zwar dafür Anschläge gebastelt http://michael-hild.blogspot.de/2015/01/tipp-mft-helfer-anschlag-zum-sagen.html
      und mit den Seitenanschlägen geht es auch recht genau http://michael-hild.blogspot.de/2014/08/tipp-wiederholgenaue-parallelschnitte.html
      aber bei weitem nicht so schnell und komfortabel wie auf einer TKS.

      Grüße
      Micha

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