Ihr findet meine Projekte gut, habt aber selbst keine Möglichkeit diese nachzubauen, dann schaut doch in meinem Shop vorbei. Falls Ihr dort nicht fündig werdet, schreibt mir eine Email.


Sonntag, 4. Oktober 2015

Tipp: (Schnitt)Winkeljustage an einer Festool TS(C) 55 R

Ab Werk sind die Maschinen von Festool schon recht gut eingestellt. Daher sollte man nicht sofort nach Erhalt einer neuen Maschine den Schraubendreher zücken, sondern wirklich zuerst einige Probeschnitte durchführen, ob eine Feineinstellung nötig ist oder nicht. In den meisten Fällen eher nicht.

Sollte trotzdem der eingestellte 0° Anschlag nicht den Bedürfnissen entsprechen oder sonst ein Grund für eine Justage vorliegen, möchte ich hier kurz zeigen, wie das bei den neuen Modellen am besten zu bewerkstelligen ist.
Anmerkung: Der 45° Endpunkt wird bei den neuen Modellen nicht mehr separat eingestellt, sondern ist Bestandteil der Kulisse. Stimmen die 90°, stimmen auch automatisch die 45°.

Bei den neuen R´s ist das etwas kniffelig, da die Winkeleinstellung nicht mehr wie bei der alten EBQ oder TS 75 nur über Schrauben funktioniert, sondern über eine Kulisse welche die Endanschläge beinhaltet.

Zuerst sollte festgestellt werden, wie groß und in welche Richtung die Winkelabweichung besteht. 
Das geht entweder über Probeschnitte (am besten an einem planen und dicken Plattenmaterial) oder wie in meinem simuliertem Beispiel, mit einem Winkelmessgerät. Simuliert deswegen, weil die gezeigte TSC 55 ab Werk präzise eingestellt war.

Dieses wird auf die Platte oder direkt auf die Führungsschiene aufgelegt und genullt.














Anschließend wird es an das ausgefahrene Sägeblatt gehalten. Praktisch, das Sägeblatt der neuen R Modelle kann auch in einer unteren Position eingerastet werden.
Hier erkennt man einen Winkel von 90,8°, bedeutet, das Sägeblatt steht leicht schräg in Richtung Werkstück.










Als ersten Schritt zur Justage, wird bei der TSC oder bei den TS Modellen ab Fabrikationsdatum 01.2015 (siehe Update im TS 55 REBQ Artikel) die vordere Madenschraube (2mm Inbus) nach oben gedreht, damit sie bei den Einstellarbeiten nicht an der Grundplatte anstoßen kann.











 Am hinteren Drehgelenk befinden sich die beiden TX 25 Schrauben zum Einstellen des 0° Winkels, bzw. zum lösen der als Anschlag dienenden Kulisse.












Hier die beiden Schrauben in der Vergrößerung. Die Linke ist leicht zu finden, nur die rechte versteckt sich hinter einem Loch in dem Kunststoffgehäuse. 












Nachteil davon: Zum Anziehen muss das Sägeaggregat immer komplett auf 0° geschwenkt werden (Sonst verdeckt das Kunststoffteil die eine Schraube). Dabei nicht zu fest anschlagen, sonst verstellt sich die noch nicht ganz festgeschraubte Kulisse wieder.

Zum Einstellen des 0° Winkels, müssen die beiden TX 25 Schrauben leicht (ca. 1/2 Umdrehung) gelöst werden.













Nicht zu weit drehen, die Kulisse muss sich noch mit einem leichten Widerstand verschieben lassen.

Anschließend kann man die Kulisse (das silberne Blechteil) mit Hilfe eines breiten Schlitzschraubendrehers leicht nach oben oder unten verschieben. Dafür gibt es ein "Gegenlager" für den Schraubendreher im Gehäuse (Detailbild).











Danbach die beiden TX 25 Schrauben wieder anziehen und das Ergebnis prüfen.
Das macht man so oft, bis der Winkel entweder am Werkstück oder Winkelmessgerät stimmt.

Für Holzwerker ohne ein solches Winkelmessgerät, ist das der fummeligste Teil der ganzen Prozedur. Man weiß nicht so recht, wie weit man die Kulisse verschieben muss, auch verstellt sie sich wieder leicht, wenn man die beiden Schrauben löst. Von daher braucht man einige Versuche, bis das Ergebnis stimmt. Man sollte also etwas Geduld und Zeit für die Justage einplanen. 
Aber wenn die Tauchsäge nicht vom Tisch fällt oder sonst was passiert, macht man die Einstellung auch nur ein einziges mal. Von daher ist der kleine Aufwand verschmerzbar.

Besitzt man so ein Meßgerät, ist es recht einfach. Die Schrauben werden leicht gelöst, mit der linken Hand justiert man die Kulisse und sobald der Winkel stimmt, dessen Wert man mit einem Auge ständig auf dem Winkelmeßgerät kontrolliert, dreht man mit der rechten Hand die eine Torxschraube fest. Fertig.








Wenn der 0° Schnittwinkel exakt stimmt, muss zum Schluss nur noch die Madenschraube der vorderen Abstützung justiert werden.

Für ein möglichst genaues Ergebnis und weil es auch am einfachsten geht, legt man die TS auf die Seite, dreht die Grundplatte am hinteren Gelenk gegen den 0° Anschlag und fixiert das Ganze mit den beiden Knebelschrauben. 
(So sollte das am besten auch während der Einstellerei gemacht werden.)









Nun kann mit einem 2mm Inbus die Madenschraube wieder soweit zur Grundplatte gedreht werden, bis sie diese gerade so berührt. Sie darf nicht gegen die Grundplatte drücken, da es sonst am vorderen Gelenk zu einer, wenn auch kleinen, Winkelabweichung kommt.










Wenn alles gut geklappt hat, wird man mit einer perfekt rechtwinkligen Sägeblattstellung ...













 ... und einem ebenso genauen Schnittergebnis belohnt.
















ACHTUNG: Es sollte nur derjenige diese Arbeit erledigen, der über die nötigen Kenntnisse verfügt. Es ist schnell was VERstellt und verschlimmbessert. 
Wer sich den Vorgang nicht zutraut, sollte die Tauchsäge lieber, zum Festool Service einschicken.
Ich übernehme keine Haftung, falls jemand anhand der gezeigten Vorgehensweise seine TS einstellen will, es aber nicht hinbekommt.


1 Kommentar:

  1. Hallo Michael, habe rein zufällig deine sehr interessanten Beiträge gefunden.
    Bin absolut, und das schon seit nunmehr 15 Jahren, ein Festool-Fan.
    Gestatte den einen Hinweis zur Einstellung des 90grad Winkels bei den Festool-Sägen.
    Da ja nicht jeder ein so tolles Winkelmeßgerät hat, kann man sich mit einem Rechten Winkel,
    am besten Haarwinkel, nach dem Sägeschnitt mit anschließender Überprüfung und eventueller
    Korrektur helfen.
    Dieses Prozedere kann natürlich dauern ehe man das zufriedenstellende Ergebnis erreicht.

    AntwortenLöschen