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Sonntag, 27. Dezember 2015

Werkzeugvorstellung: Microjig GRR-Ripper Advanced

Der vorgestellte Microjig GRR-Ripper wurde mir vom Holzfachmarkt Gerschwitz zur Verfügung gestellt. 





Die Firma Microjig und auch der GRR-Ripper sind in Deutschland recht unbekannt.

Das wird zum einen daran liegen, dass bei der Verwendung des GRR-Rippers die Schutzhaube demontiert werden muss.
Die Amerikaner stört das nicht, da dort die wenigsten Tischkreissägen über eine Schutzhaube für das Sägeblatt verfügen.









Auch muss sich zwingend der Spaltkeil auf Höhe des Sägeblattes befinden oder absenkbar sein. 












Bei vielen einfachen Modellen, bei denen sich die Schutzhaube am Spaltkeil befindet, steht dieser einige Zentimeter über der Oberkante des Sägeblattes. Der Einsatz des GRR-Rippers ist dann nur eingeschränkt möglich. 
Einige Holzwerker werden sich vielleicht denken, "Bau ich den Spaltkeil halt einfach aus und gut.". Davon rate ich aber ausdrücklich ab, ein Spaltkeil ist ein nicht zu verachtendes Sicherheitsmerkmal an Tischkreissägen.
Besitzt man aber ein Modell mit entsprechend geformten Spaltkeil, ist der GRR-Ripper ein recht nützliches Zubehörteil, gerade wenn es darum geht, schmale und/oder kleine Werkstücke sicher und genau zu bearbeiten.



Von der Firma Gerschwitz bekam ich einen GRR-Ripper in der Advanced Ausführung (Dabei ist ein Distanzstück und eine Auflageplatte im Lieferumfang) zur Verfügung gestellt und konnte diesen jetzt einige Zeit bei mir in der Werkstatt testen.











Öffnet man den Karton, wird man zuerst an einen Lego Bausatz erinnert. Der GRR-Ripper kommt in Einzelteilen in die Werkstatt.













Schaut schon etwas kompliziert aus.















Aber der Zusammenbau ist kein Problem. Ami-typisch liegt eine reich bebilderte und verständliche Anleitung dabei. In dieser wird der Zusammenbau, sowie der Einsatz und alle Möglichkeiten detailliert gezeigt. Auch liegt neben der Anleitung in Papierform noch eine DVD bei.
Die Schrauben, Scheiben und Muttern sind in unterschiedlichen Tüten verpackt, haben unterschiedliche Farben und werden in der Anleitung anhand einer Stückliste genau aufgeführt.

Nach 20 Min. gemütlichem Basteln war der GRR-Ripper zusammen gebaut und Einsatzfähig.






So schaut er komplett hochgerüstet aus ...















... und hier ist der GRR-Ripper mit den beiden Zubehörteilen zu sehen.











Stahl- oder Aluminiumteile sucht man an dem GRR-Ripper vergebens. Von den Schrauben abgesehen ist die in den USA gefertigte Schiebehilfe, komplett aus einem faserverstärktem Kunststoff hergestellt.









Das ist auch gut so. Sollte der GRR-Ripper doch ein mal Kontakt mit Sägeblatt oder Fräser bekommen, passiert nichts weiter.
Auch der Qualität tut der Kunststoff keinen Abbruch. Der GRR-Ripper ist sehr sauber verarbeitet und macht einen extrem robusten Eindruck.

Auf der Unterseite kann man die dicken hellgrünen Weichgummistreifen erkennen, die dem GRR-Ripper zu seinem Namen verhelfen. Auch ohne sonderlich Druck ausüben zu müssen, erzeugen diese einen hohen Grip auf dem Werkstück, selbst wenn dieses etwas staubig ist.








Bei dem Blick auf die Unterseite kann man auch die Besonderheit erkennen, welche den GRR-Ripper so universell macht, gerade was schmale Werkstück angeht. 

Die Sohle ist nicht durchgehend, sondern besteht aus drei unterschiedlich breiten Sektionen (die schmalste ist ca. 6mm breit, was auch die minimalste Werkstückdicke angibt, die mit dem GRR-Ripper am Sägeblatt vorbeigeführt werden kann), ...

 















... bei denen sich die mittlere nach lösen von zwei Schrauben verschieben lässt.












Auch alle anderen im Einsatz notwendigen Umbauten lassen sich dank griffigen Schrauben werkzeuglos vornehmen.
















Der Griff lässt sich ebenfalls frei in der Breite positionieren und auch leicht verdreht montieren. Letzteres ist sehr bequem, wenn man seitlich an der Maschine steht.











Ohne sein weiteres Zubehör ist der GRR-Ripper auf dem Frästisch sehr praktisch und da sehe ich auch mit so sein Haupteinsatzgebiet.

Um größere Teile sicher am Anschlag entlang zu bewegen ...












... oder auch beim Kopier- oder Kantenfräsen. 












Bleibt die Hand am Griff des GRR-Rippers, ist der Sicherheitsabstand zum Fräser recht groß und das Bearbeiten auch kleiner Werkstücke sehr sicher.

Für den Einsatz auf der Tischkreissäge sehe ich bei dem "nackten" GRR-Ripper nicht so den großen Vorteil, gegenüber einfacheren Lösungen.
Er funktioniert dann nur bei Werkstücken, die min. so breit sind wie er selbst und dann ist man schon bald bei 120mm (zwischen Sägeblatt und Längsanschlag) und eine Schiebehilfe ist nicht mehr unbedingt notwendig. 
Möchte man größere bzw. längere Werkstücke auf der TKS mit Hilfe des GRR-Rippers bewegen, bedarf es eh eigentlich zwei, da man ja irgendwann mal umgreifen muss.

Anders sieht es aus, wenn man die seitliche Abstützung montiert. Allerdings muss dann, wie anfangs schon erwähnt, die Schutzhaube demontiert und der Spaltkeil versenkt werden.








 

Ist das möglich, schlägt eigentlich die Stunde des GRR-Rippers auf der TKS. 

Dann nämlich lassen sich problemlos, sicher und sehr genau schmale Streifen auch von Resthölzern oder Latten absägen.












Die Abstützung wird auf Werkstückdicke eingestellt und der verschiebbare Teil der Sohle so platziert, dass er möglichst komplett auf dem Werkstück aufliegt. Dann braucht man einfach nur mit dem GRR-Ripper das Werkstück am Längsanschlag entlang schieben. 







Gebastel mit Andruckkämmen und Gefummel mit Schiebestöcken ist nicht mehr nötig.

Sehr gut und vorallem sehr sicher, funktioniert das auch bei sehr kleinen oder dünnen Teilen.
Die beiden hier nun gezeigten Fälle wären ohne den GRR-Ripper nicht ganz ohne gewesen. Aber so, drüber schieben und fertig.


















Als weiteres Ergänzungsteil liegt diese Verbreiterung dem Advanced Set bei.












Zum einen ist sie wohl gedacht, um die Auflagefläche des GRR-Rippers zu vergrößern. In wie weit das Sinn macht, darüber müsste man mal diskutieren. :) Als reine Vergrößerung habe ich diese Platte, noch nicht gebraucht.

Aber sie besitzt noch ein kleines und feines Feature. 

An ihrem Ende ist ein kleiner Haken angebracht, mit dem man zuverlässig und sicher ein Werkstück nach vorne schieben kann. Gleichzeitig drückt die Seite der Platte das Werkstück gegen den Anschlag. Da sie ja, wie auf den Bildern zu erkennen, über Langlöcher verfügt, funktioniert das auch bei Teilen, die schmaler sind als der GRR-Ripper. 







Gerade bei hohen und schmalen Teilen, wird mit der Verbreiterung ein wegkippen des Werkstückes verhindert, ähnlich wie ein Andruckkamm, nur dass der GRR-Ripper sich mit dem Werkstück bewegt und so dieses immer (auch auf Höhe des Sägeblattes) sicher geführt wird.



Fazit:

Braucht man nun den GRR-Ripper unbedingt?
Klare Antwort: Nein!

Macht er manche Arbeiten mit Tischkreissäge oder Frästisch sicherer?
Klare Antwort: Ja!

Betonung liegt hierbei auf "manche". Wer den GRR-Ripper zusätzlich und mit Bedacht, den Aufgaben entsprechend einsetzt oder eben nicht einsetzt, für den wird gerade das Bearbeiten von kleinen Teilen sicherer und komfortabler.
Für denjenigen der den GRR-Ripper einzig und allein und in jeder Situation für alles verwenden möchte, dem rate ich, die Anschaffung bzw. den Einsatz noch einmal zu überdenken. Weil (ständig) komplett auf Schutz- oder Bogenfräshaube verzichten kann und sollte man nicht. 
Nicht umsonst haben sich u.a. diese Schutzeinrichtungen in Europa schon seit Jahren etabliert und gerade was Maschinen und deren Sicherheit angeht, hinken unsere Kollegen aus Übersee, dem aktuellen Stand der Technik noch um etliche Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinterher. Von daher ist ein "Jig", egal ob nun der GRR-Ripper oder ein anderes, auch noch so cool und von der Idee her klasse, die bestehenden Schutzeinrichtungen einmal abmontieren und dann vergessen sollte man auf keinen Fall.

Ich sag mal abschließend so: Der GRR-Ripper ist eine tolle Schiebehilfe für kleine Teile oder wenn es darum geht, schmale Streifen abzusägen, auch beim Kopier- oder Kantenfräsen ebenfalls an kleinen Teilen, bei denen die Bogenfräshaube schon zu groß ist, macht er eine tolle Figur. Trotzdem sollte er, da bestehende Schutzeinrichtungen in den meisten Fällen demontiert werden müssen, immer mit Bedacht eingesetzt werden.





Bezugsquelle:

Den Microjig GRR-Ripper, sowie Ersatzteile und weitere Produkte von Microjig könnt Ihr bei Holzfachmarkt Gerschwitz bestellen.

Kommentare:

  1. Hallo Michael, wie immer ehrlich und unbestechlich!! Klarer Bericht, super, Danke!!

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  2. Hallo Michael,

    danke für den Bericht. Nachdem ich das Teil schon im Einsatz bei Deinen Teelichterständern gesehen habe, interessierte es mich.
    Nach Deinem jetzigen Bericht ist mein Fazit: taugt nix!

    Erst Spanhaube abbauen und Spaltkeil tiefer stellen - zu aufwendig.
    Brauchbar dann nur um von schmalen Holzstücken noch schmalere Steifen zu schneiden, wenn diese auch nicht viel länger als die Auflagefläche des Jig sind, bei längeren schmalen Werkstücken scheint mir Spanhaube und Schiebestock immer noch sicherer als das Jig.
    Am Fräsmodul mit montiertem Fräsanschlag unbrauchbar, da gehört eher ein Niederhalter und eine Andruckfeder hin.
    Am Fräsmodul ohne Fräsanschlag gehört an diese Stelle - zumindest beim Festool-CMS-Fräsmodul die große Fräshaube aus Plexiglas hin, dann sind die Finger weitaus besser geschützt.
    Wird der Dorn am Ende des Jig einmal benötigt, reicht ein Schiebehandgriff für sechs Euro, für dieses kleine Hilfsmittel ist auch eher Platz im Bereich einer Säge zu finden, als für das eher unförmige Jig.

    In diesem Beitrag zeigt Deine aufwändige, ausführliche und Detail genaue Darstellung, wie überflüssig solche Jigs aus Amiland sind. Da bleibe ich lieber weiterhin bei unseren schlichten europäischen Hilfsmitteln an der Säge.

    Gruß
    Volker

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    1. Moin Volker,

      so schwarz/weiß sehe ich das nicht. Von wegen taugt nichts und überflüssig.
      Es gibt Fälle, da ist das Ding schon praktisch und sicherer.
      Säge mal so kurze und schmale Stücke auf herkömmliche Weise. Die Haube ist im Weg und vernünftig schieben und gleichzeitig auf den Tisch drücken ist mit einem Schiebestock schwer bis nicht möglich.

      Die Bogenfräshaube war mir aber bei einem schmalen Teil schon mal im Weg, ich konnte das Werkstück nicht mehr vernünftig festhalten. Auch da war der GRR-Ripper ne gute Alternative.

      Von daher empfinde ich das Jig nciht als komplett überflüssig, aber auch nicht als das alles könnende Wunderding.

      Grüße
      Michael

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  3. Hallo Michael,

    so ganz schwarz/weiß sehe ich es ja nicht.

    Nach den ersten Bildern bei den Teelichtern war ich sehr interessiert an dem Teil.
    Aber nach dem jetzigen ausführlichen Bericht war ich dann doch sehr erstaunt, dass es mich überhaupt nicht mehr ansprach.
    Vielleicht hätte ich mehr heraus stellen sollen, dass es für mich persönlich nichts taugt für einen anderen mag das ja nicht gelten.
    Ich kenne auch meinen Werkstattalltag. Wenn ich dann so etwas habe und benötige es einmal für sehr kleine Teile, dann ist es wahrscheinlich schon so weit weg gelegt wegen Nichtbenutzung, dass ich dann gar nicht auf die Idee komme das Jig zu suchen.

    Ein schöner Nebeneffekt Deines Beitrags ist aber, dass ich mein Handeln an der Säge mal wieder kurz überdacht habe.

    Gruß
    Volker

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  4. Hallo,

    ich habe eine alte Mafell Erika bei der leider die Haube fehlt und auch nicht mehr nachzubestellen ist. Für mich und meine Finger ist der GRR-Ripper sehr viel besser als irgendwelche Schiebestöcke ..

    Lieben Gruß

    Benny

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