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Mittwoch, 2. November 2016

Projektvorstellung: Servierbretter "Curve" - Teil 2


Nun geht es an das Verleimen, von zwei Bretthälften mit dem Furnierpaket.










Vom Verleimen habe ich keine Fotos gemacht.
Das musste schnell gehen und ich hatte immer die Finger voll Leim. Ich hatte die Furnierstreifen nebeneinander gelegt und mittels Silikonpinsel mit Leim bepinselt, dann Leim an die Kanten der Bretter und dann hurtig ran.

Anfangs habe ich nur mit Zwingen gearbeitet, das war extrem schmierig, äh schwierig. Durch den Leim schwimmen die Furnierstreifen aufeinander und es war ein Geduldsspiel (und das obwohl man ja beim Verleimen wenig Zeit hat), die Zwingen zu spannen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Streifen in der Kurve bleiben und nicht rausflutschen. Es floss einiges an Schweiß.

Sehr unsichere Methode und ich hatte sogar Stellen, bei denen sich das Furnierpaket doch soweit hoch geschoben hatte, dass dieses nicht mehr über die Platte stand. 
Ausgerechnet bei dem Nussbaum musste das passieren. 

Ein Versuch war es wert und ich habe den Bereich, sowie einen Fräsausriss an einem anderen Brett mit Epoxydharz ausgefüllt.












Beigearbeitet habe ich es mit dem Farbschaber von Bahco.












Der locker eine Ziehklinge ersetzen kann.

Selbst bei Epoxy werden durchgehende Späne produziert:












Ich habe mir dann eine andere Variante überlegt, und den MFT als Verleimhilfe genutzt.

Glasklötzchen sorgen für den nötigen Abstand, damit die Furnierpakete etwas über die Platte stehen.











Beim Verleimen habe ich dann zuerst, das komplette Paket mit den Zulagen auf dem MFT gespannt und dann zusammengeschoben.










Wenn Starkfurnier mit von der Partie war, war das zwar immer noch etwas murksig, aber deutlich entspannter als meine ersten Verleimungen. Bestand das Paket nur aus 0,6mm Standardfurnier, war das Verleimen ein Kinderspiel.   









Die Furnierüberstände habe ich ebenfalls mit dem Multimaster und einem gekröpften Sägeblatt entfernt. Ein Furnierrest sorgte dafür, dass ich nicht in die Platte sägte.










Den Rest habe ich anschließend mit dem Blockhobel entfernt.












Und dann das ganze Spiel wieder von vorne. Furnierpaket zusammen stellen, passenden Fräser montieren, Nut fräsen, zerteilen, bündig fräsen, verleimen. Uswusf.

Bis dann in jedem Brett drei Kurven eingesetzt waren.












Die Rohlinge sind soweit fertig.













Fehlt nur noch ein Zwischenschliff mit hartem Teller zum planschleifen..












 Danach konnte ich dann die endgültige Breite anzeichnen und auf Maß sägen.












Die Schmalseiten sollten leicht gerundet werden. Nur rechteckig wäre ja langweilig.

Ne extra Schablone wollte ich nicht anfertigen, daher konventionelle Technik ohne Oberfräse.

Die Eckpunkte habe ich ausgemessen und mit kleinen Nägeln "markiert".










 

An diesen legte sich dann das Stahllineal an, mit welchem ich die Rundung angezeichnet habe.












Wichtig dabei war, dass die Nägel AUßEN und somit im Abfallbereich sitzen.

Mit etwas Überstand mit der Stichsäge ausgesägt ...












... und am Bandschleifer beigeschliffen.













Alle Kanten habe ich dann noch mit einem 5mm Radius auf dem Frästisch versehen. 













Die Dinger sollen ja hauptsächlich als Servierbrett dienen, dafür muss man sie ja auch irgendwie greifen können.

Dazu bekamen sie noch Griffmulden.


Diese habe ich mit der von zwei Parallelanschlägen geführten OF 1400 und einem Hohlkehlfräser hergestellt.











So schauts dann aus:













Die Bretter waren nun soweit fertig und ich konnte den Endschliff bis Körnung P320 vornehmen.











Da die Bretter ja, wenn sie denn hoffentlich zum Einsatz kommen, auch mal mit Flüssigkeit in Kontakt kommen können, habe ich sie mit dem robustesten Öl behandelt, was ich im Sortiment habe, dem Festool HD.









Eine top Oberfläche war mir bei dem Projekt schon wichtig, daher habe ich zusätzlich zu den zwei normalen Schichten, noch zwei weitere mit dünn mit einem weißen Pad einpoliert. Das HD ist nach normalem Auftrag eher matt.










Das Ergebnis ist ein toller Seidenglanz.












Um die Oberflächen von Möbeln zu schönen, bekam jedes Servierbrett zum Schluss noch vier Gummifüße.











Und fertig!











Das ist übrigens die Stelle mit dem Epoxy, man sieht es so gut wie nicht.






Rechts oben der Bereich mit dem Ausriss (Dort wo das Furnier gekreuzt wird), auch das ist so gut wie nicht sichtbar




Das Projekt war zwar nichts anderes als ein Brett, trotzdem gab es beim Bau einige Probleme zu lösen:
Das erste war das Fräsen der Schablone, die Kurve sollte ja IN eine Platte, von daher konnte ich das Kurvenlinfix nicht unterhalb montieren. Und die Oberfräse nur auf dem Lineal zu balancieren, wäre sicher schief gegangen.
Die Lösung war ein Anbringen von Abfallstücken im Bereich des Lineals. Damit die OF dort aufliegt, müssen diese mindestens so hoch sein, wie das Kurvenlineal. Eine weitere Möglichkeit wäre gewesen, unter die Grundplatte der Fräse passende Klötzchen zu kleben, allerdings ist sie dann nicht mehr frei drehbar.
 

 Zerteilen der Furniere ohne Furniersäge aber mit Cutter war auch ein Problem. Ging Bescheiden. Der Multimaster + rundes Sägeblatt löste das Problem. Werde ich weiter so machen. 

Das größte Problem stellte das Verleimen dar. Ich hatte ja anfangs rein mit Zwingen und ausgeklinkten Zulagen gearbeitet. Das war durch das Schwimmen der einzelnen Teile und Furnierlagen auf der Leimschicht sehr schwierig und der falsche Weg, wenigstens für mich. Auch gab es dabei kein "Anschlag" für die Furnierpakete, sodass diese sogar in beide Richtungen sich verschieben konnten.
Die Lösung war, die Zuhilfenahme des MFTs, das vereinfachte die Verleimung, bzw. das Verpressen schon erheblich. Als Abstandshalter für die Furniere dienten Glasklötzchen. Das funktionierte sehr gut.
Beim nächsten Mal, werde ich die Zulagen auf der Platte mit einer zum Überstand der Furniere passenden Ausklinkung versehen, dann werden die von beiden Seiten geführt und die Gefahr des Verschiebens wird weiter reduziert. Dazu müssen aber die Furnierstreifen alle gleich breit sein. Das hatte ich nur pi mal Daumen gemacht und daher ging das diesmal nicht.
Wichtig war auch, die verleimten Furniere bei jedem Durchgang komplett bündig zur Platte zu hobeln.
 

Noch ein Problemkind waren anfangs Ausrisse beim Bündigfräsen an den Stellen, wo der Fräser die Furnierstreifen traf. Das konnte ich umgehen, in dem ich den Überstand an den Stellen auf etwa 1mm reduzierte. Dann waren Ausrisse kein Thema mehr. 
Der o. g. Ausriss ließ sich gut mit Epoxidharz ausgießen und fiel später so gut wie nicht mehr auf.

Über die Griffmulden habe ich auch etwas nachdenken müssen. Was passendes an Fräsern mit Anlauflager hatte ich nicht. Aufgrund der Rundung hätte ich bei Benutzung des Frästisches eine passende Kulisse anfertigen müssen, an dem das Brett entlang gleitet. Da war der Einsatz der handgeführten OF mit doppeltem Parallelanschlag die einfachste Lösung. Ich musste nur eine Sohle mit kleiner Öffnung montieren um die Frästiefendifferenz die aufgrund des Kreisbogens entstanden ist zu minimieren. 

Zwischendurch habe ich mir geschworen, ich mache sowas nicht noch einmal. Aber nachdem alle fertig waren und ich das Ergebnis betrachten konnte. Naja warum nicht nochmal. :) Zumal es mit jedem Furnierpaket leichter ging. Ich hatte Übung und wusste worauf ich achten musste.
 




 - Ende -


Kommentare:

  1. Hi Micha,
    echt klasse, was Du da wieder gezaubert hast. Neben dem tollen Endergebnis sind auch wieder viele gute Tipps + Tricks dabei. Besonders gut gefällt mir wie die Funierstreifen in den Griffmulden enden, ein echter Hingucker. Nur als Gebrauchsgegenstand wären die Bretter viel zu schade.
    Viele Grüße
    Olli

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  2. Wirklich super schön geworden. Das werde ich irgendwann gerne mal nachbauen.

    Vielen Dank für die Tipps

    Jürgen

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  3. Hallo Micha,

    die Bretter sind sehr schön geworden - dieses steht auf meiner Liste seit der Artikel in der Fine Woodworking erschienen ist. Toll umgesetzt.

    Viele Grüße
    Timo

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    1. Hallo Timo,

      danke.
      Die Fine Woodworking kenne ich ja nur dem Namen nach. Wurde das da mit dem Fräsen genauso gemacht?

      Lohnt die Fine Woodworking?
      Ich bin ja immer noch am Überlegen, ob ich mal eine Amizeitung abonnieren sollte. Ein Jahr hatte ich jetzt "Woodworkers Journal". Für das Geld war die nicht schlecht, halt nur viel Werbung.

      Grüße
      Micha

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  4. Hey Michael,

    das ist ja richtig schön geworden :)
    Außerdem eine willkommene Anregung.

    Danke und Gruß

    Martin

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  5. Hi Michael,

    was für ein Radius hat der Fräser, für die Griffmulden?
    Und wie stark ist das Holz?

    Die Mulde gefällt mir, aber mir fehlt das Vorstellungsvermögen um einzuschätzen welcher Durchmesser wie aussieht.
    Natürlich möchte ich keine Fräser unnötig zum ausprobieren kaufen...

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    1. Der Fräser hat 19mm Durchmesser und das Holz hatte etwa die gleiche Stärke.

      Grüße
      Michael

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