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Sonntag, 10. Juli 2016

Produktvorstellung: Festool Domino XL Eck- & Flächenverbinder

Die vorgestellten Verbinder wurden mir von Festool zur Verfügung gestellt.




Zur Holzhandwerk 2016 hat Festool ENDLICH (!!!) eine Produktreihe an lösbaren Verbinder im Domino Format herausgebracht. Lange Jahre warteten die Nutzer einer Domino Dübelfräse schon auf solche Dinger.
Allerdings gibt es die lösbaren Eck- und Flächenverbinder aktuell nur für die Domino XL, da die Verbinder einen Fräserdurchmesser von 14mm erfordern.
Ob auch eine kompaktere Reihe in Planung ist, da habe ich keine Informationen drüber. Ich hoffe schon, da die wuchtigen Verbinder die Materialstärke nach unten hin schon deutlich einschränken, aber dazu später mehr.


Den Verbindersets und auch den einzelnen Verbindern (jedes Teil kann separat gekauft werden, allerdings nicht stückweise), liegt eine logische wenn auch kurze Anleitung bei. Ddaher verzichte ich auf eine detaillierte Beschreibung und gebe wenn überhaupt nur kurz die wichtigsten Daten an.








Das ganze ist auch kein Hexenwerk. Wem die Bedienung der Domino XL geläufig ist und weiß worauf man beim einfräsen von Dübel aller Art achten muss, der hat auch mit den Verbindern keine Probleme. Gefräst wird wie gehabt.









Wie schon erwähnt, die Maschine der Wahl ist die Festool Domino XL, in Kombination mit einem 14mm Fräser. 











Selbstverständlich lassen sich die Verbinder auch mit einer Oberfräse + entsprechender Schablone und einem 14mm Nutfräser einfräsen, das bedarf aber einer Oberfräse min. der OF 1400 Klasse und einem langen Fräser, da für die Bolzen eine Frästiefe von 50mm erforderlich ist. Mit der Domino XL kein Problem, für viele Oberfräsen, mangels entsprechendem Hub, ein Ausschlußkriterium.

Festool bietet in dem Verbindersystem alles an, was man für Eckverbindungen und dem Verbinden von Platten in Massivholz und Plattenmaterial braucht.

Das Kernstück des Systems sind die sogenannten Queranker SV-QA D14, mit den M8er Madenschrauben, um die Verbindung beizuziehen.
Der benötigte 4mm Inbusschlüssel, liegt den Querankern bei, wer aber öfters damit arbeiten will, sollte sich einen ordentlichen T-Griff Inbusschlüssel besorgen. 
Fräsabstand zur Kante immer 40mm.






Das Gegenstück zum Queranker bildet bei den Eckverbindungen, der Spreizanker SV-SA D14. Im Gegensatz zu allen anderen Teilen des System, ist der Spreizanker ein "Einmalprodukt", er lässt sich nicht mehrmals verwenden. Frästiefe für ihn, immer 25mm.









Das ist der Funktionsweise geschuldet. Der Ankerbolzen wird in den Spreizanker geschraubt und spreizt dessen untere Krallen auseinander, sodass sie sich fest und so gut wie unlösbar im Holz verankern. Daher auch der Name Spreizanker.
  

Angetrieben wird der Ankerbolzen SV-AB D14 (das eigentliche Verbindungselement) über einen 10mm Außensechskant. 
Am unteren Ankerbolzen kann man rechts im Bild auch sehr gut die konische Mulde für die Madenschraube des Querankers erkennen. 









Für Flächenverbindungen gibt es die sogenannten Doppelbolzen SV-DB D14, im Bild bereits bestückt mit den Dübelhalbschalen. Die Doppelbolzen weißen auf jeder Seite konische Vertiefungen für die Queranker auf, weil bei Flächenverbindungen auf die Speizanker verzichtet wird und nur Queranker eingesetzt werden.
Dazu aber später mehr.







Frästiefe für die Bolzen, immer 50mm

Sollen die Queranker später nicht sichtbar sein, bietet Festool eintsprechende Abdeckkappen in drei verschiedenen Farben (silber, hell- und dunkelbraun) an.










Diese werden nach der Montage einfach in die Fräsungen geklipst und halten so gut, dass sie nur unter Zuhilfenahme eines Messers wieder entfernt werden können.


 






Als letztes Teil im Sortiment, sei noch der spezielle 14mm Buchedomino erwähnt. Speziell deswegen, weil er nur 75mm lang oder kurz ist. Dieser wird z.B. benötigt, um bereits mit einem Verbinder eine verdrehsichere Verbindung herzustellen.









Als Massivholzwurm starte ich die Vorstellung der Verbindungen mit den wohl in diesem Bereich am meisten eingesetzen Verbindertyp, dem Eckverbinder.

Die erforderliche Frästtiefe für den Queranker und die 5mm Abstufung der Domino XL, lässt eine Verwendung erst ab einer Materialstärke von etwa 27 mm zu.

27mm ist ein gängiges Maß bei fertigem Leimholz, von daher dort kein Problem.











 Wer sein Holz selbst aushobelt, kann allerdings Probleme bekommen, wenn er arg krumme Bohlen erwischt. Gängiges Schnittholzmaß wäre 32mm (zumindest bei meinem Händler und der nächste Sprung auf 52mm), so bleiben max. nur 5mm zum Abrichten und auf Dicke hobeln.

Für eine stabile Eckverbindung wird min. folgendes an Material aus dem Verbindersortiment benötigt:
  • 1 Spreizanker
  • 1 Queranker
  • 1 Ankerbolzen
  • 1 Paar Dübelhalbschalen
  • 1 14x75 Domino Dübel 

 
   





Die Fräsungen werden nach Vorgaben aus der Anleitung eingebracht und als nächster Schritt, wird der Spreizanker bis bündig Außenkante (!!) eingeschlagen.










Danach kann der Ankerbolzen mit einer Ratsche o.ä. in den Spreizanker bis zum Anschlag eingeschraubt werden. Dabei spreizt er den Anker und dieser sitzt Bombenfest. 
Danach muss der Ankerbolzen wieder soweit zurück gedreht werden, bis der Konus parallel zur Werkstückfläche (die mit der Einfräsung) steht.




Anschließend können die beiden Bauteile zusammengesteckt und die Verbindung mit einem 4mm Inbus fest verbunden werden. Durch den Konus des Ankerbolzen, werden gleichzeitig beide Bauteile aneinander gezogen.








Hier ein "Schnittmodell" der Verbindung. Deutlich zu sehen, wie sich der Spreizanker im Holz festkrallt.











Und hier ein Detailbild des Querankers auf dem Ankerbolzen.












Kleiner Hinweis für Vorrichtungsbauer: Wer sagt eigentlich, dass ein Speizanker nur Ankerbolzen aufnehmen darf?











Es ist ja ein ganz normales metrisches ISO Gewinde der Größe M8 vorhanden, so dass sich mit dem Verbindersortiement mit etwas Phantasie viel mehr als nur Eck- oder Flächenverbindungen herstellen lassen.

Sieht ja alles ganz schön und gut aus. Aber ist so eine Verbindung wirklich richtig stabil?
Sie ist es! Mir ist es nicht gelungen, die Verbindung an sich zu trennen oder den Spreizanker aus dem Holz zu ziehen.

Mein erster Versuch mit Fichte, sorgte dafür, dass der tragende Teil aus dem Kantholz ausbrach.











War klar, dass es keine extremen Belastungen aushält, aber ich wollte wissen, ob es den Speizanker bei Weichholz aus dem Holz zieht.Tat er nicht!

Buche ist da ja schon stabiler, aber das eine Teststück hatte für eine hohe Belastung den falschen Faserverlauf. Es brach bei etwa 120kg durch, wobei die  eigentliche Verbindung immer noch absolut fest und dicht war.













Meinem letztes Versuchsobjekt aus zwei Teilen Buche und richtigem Faserverlauf konnte ich selbst mit über 150kg nichts anhaben. Dann hatte ich aber etwas Bedenken um meine Vorderzange und habe die Sache beendet. 
Bei solchen Verbindungen kann man auch ruhig auf dem Tisch tanzen.

Gehrungsverbindungen sind auch problemlos möglich, wenn die Werkstückbreite eine Frästiefe von 50mm für den Ankerbolzen zulässt.
 













Die nächste Verbindungsart ist die Flächenverbindung, um beispielsweise zwei Arbeitsplatten miteinander zu verbinden.

Dazu benötigt man mindestens:
  • 4 Queranker
  • 4 Verbreiterungen SV-V D14 (bei weichen Materialien)
  • 2 Doppelbolzen
  • 2 Paar Dübelhalbschalen
  • 1 14x75mm Dominodübel







 Die Verbreiterungen hatte ich bis jetzt noch nicht erwähnt, da sie in Massivholz nicht unbedingt notwendig sind. 

Dies sind Kunststoffschalen, welche die Queranker verbreitern und so den Flächendruck in der Platte auf einen größeren Querschnitt verteilen.
Genau wie bei den Dübelhalbschalen, gibt es bei den Verbreiterungen kein links und kein rechts, sondern nur ein Typ, was die Montage vereinfacht. Ebenso lassen sie sich wie die Halbschalen immer wieder trennen und wiederverwenden.






Bei der Arbeit mit den Verbreiterungen muss die DF-700 auf Fräsung mit Spiel und wichtig (!!!) hinterher auch wieder zurück gestellt werden.











Noch einen kleiner Tipp, für Nichtbesitzer einer Formatkreissäge mit Vorritzer, wenn man mit der TS 55 samt Splitterschutz arbeitet und zusätzlich noch die Schnittkante an beschichteter Spanplatte (ein Material was in der Richtung keine Fehler verzeit, gerade bei weiß) abklebt, bekommt man als Ergebnis einen absolut sauberen und ausrissfreien Schnitt. 







Bei meinem Test bin ich auch hier wieder etwas über die Maße der Verbinder gestolpert. Theoretisch braucht es mindestens eine Plattenstärke (bei Verwendung der Verbreiterungen) von 32mm, wenn die Verbinder ca. mittig in der Platte sitzen sollen. 
Dabei muss die Frästiefe für den Queranker & Verbeiterung 15mm(ca. Mitte Platte) + 12mm betragen, das sind 27mm, nächste Frässtufe bei der Domino XL wären 30mm.


Was ich an Arbeitsplatte zur Verfügung hatte war aber alles um 28mm. Also theoretisch zu wenig, um die Verbinder einsetzen zu können. In solchen Fällen heißt es etwas tricksen und ich habe die Doppelbolzen leicht außermittig eingefräst, sodass ich mit einer Frästiefe von 25mm auskam.








Allerdings schauen die Queranker dann ein kleines Stück aus der Plattenunterseite heraus. Schönheitsfehler.











Gefräst wird wieder ganz normal, wie auch von den Dübel gewohnt.
  










 Die Montage ist auch kinderleicht, die Queranker werden in die entsprechenden Fräsungen gesteckt, die Doppelbolzen und Dominodübel kommen ebenfalls in Ihre Position und dann einfach die Platte zusammenstecken.









Tipp: Sollte es mal haken, ist bestimmt eine Madenschraube nicht ausreichend weit herausgedreht.

Danach werden die Madenschrauben möglichst gleichmäßig eingedreht. Gleichmäßig deshalb, weil ja deren Eindrehtiefe die seitliche Position des Doppelbolzens beeinflusst.


Wer sauber arbeitet wird mit einem absolut dichten und planen Stoß belohnt. 











Auch die Flächenverbindung ist äußerst stabil und ich bekam sie mit bloßen Händen weder auseinander, noch verschoben.
 
Wer bei der Einführung der einzelnen Verbindungsteilen aufgepasst hat, dem ist die unterschiedliche Bestückung der Doppelbolzen mit den Dübelhalbschalen aufgefallen.










Da hat der Herr Hild nicht einfach gefuscht, sondern es steckt System dahinter.
Ob ein oder zwei Paar Halbschalen, hat eine ähnliche Funktion wie das passgenaue Fräsen oder welches mit Spiel.

Sitzen die Halbschalen mittig, werden die beiden Platten am Stoß durch die Halbschalen auf Höhe der Fräsung zentriert. Ist sauber gearbeitet worden und die beiden Platten auch exakt gleich dick, gibt es eine saubere Verbindung (siehe oben).









Stellt man fest, die Platten schließen nicht sauber ab, ist noch nicht alles verloren, sondern man versetzt einfach die Halbschalen eine Stufe nach außen und bringt noch ein weiteres Pärchen an.
Da jedes Paar der Dübelhalbschalen in "ihrer" Platte stecken ist es möglich, die Verbindung ein wenig zu korrigieren.





Ne clevere Sache finde ich.

Noch ein Tipp an die Vorrichtungsbauer und alle die, welche nur temporär eine Eckverbindung herstellen wollen. Auch das geht mit dem Domino XL Verbindern, auch ohne, dass jedes mal ein Spreizanker "geopfert" werden muss. 

Wie das geht?

Ganz einfach, man stellt die Eckverbindung wie eine Flächenverbindung mit zwei Querankern und Doppelbolzen her.












In dem Beispiel war das Querholz dick genug, um die Standardfrästiefe von 50mm für den Bolzen zu nehmen. Man kann das ganze aber noch etwas, um max. 20mm um genau zu sein, verschieben, da die DF-700 ja 70mm tief fräsen kann. Dann kommt man mit einer Werkstückdicke etwas über 30mm zurecht.



Fazit

In der Summe ein sehr durchdachtes System, um wirklich hochstabile und immer wieder lösbare Verbindungen herzustellen.
Mein Test oder auch das Video von Frank Jaksch auf der Holzhandwerk zeigen deutlich, was man solch einer Verbindung locker zutrauen kann, wenn alleine ein Verbinder gesetzt wird.

Alle Teile kommen aus Deutschland und genauso hochwertig sind sie auch gefertigt.

Preislich liegt ein Verbindersatz zwar deutlich über den Scheulenberg Verbindern, aber im Vergleich zu den Lamello Clamex, welche eine vergleichbare Funktion, aber bei weitem keine so hohe Festigkeit bieten, auf ähnlichem Niveau. 
Für Einzelstücke oder Kleinserien, wenn eh eine Domino XL vorhanden ist, eine sehr professionelle Lösung.
Ist nur eine große Oberfräse vorhanden, lassen sich die Verbinder zwar auch verarbeiten, da läge für mich aber der Einsatz der Scheulenburg XS oder PV näher, da für diese nur Löcher gefräst/gebohrt werden müssen und sie preislich deutlich günstiger sind.

Die Verarbeitung ist, wenn man mal die Logik hinter den div. Frästiefen etc. verstanden hat, einfach durchzuführen.
Aber ich denke, man sollte den Einsatz der Verbinder nicht nur auf Eck- und Flächenverbindungen beschränken. Man kann sicher, gerade im Vorrichtungsbau einiges mehr mit den Verbindern machen.
Ein Bekannter hat z.B. den Längsanschlag für seine Kappsäge mit Eckverbindern demontierbar an der Werkbank befestigt und da gibt es sicher noch viel mehr Möglichkeiten für den Einsatz der Verbinder oder einzelner Teile.
Vorteil dabei, man muss nicht immer ein Set eines Verbindertyps kaufen, sondern es gibt die einzelnen Teile separat. 
Mittlerweile gibt es auch einen Systainer befüllt mit allem, was es an Verbindern und Zubehör gibt.

Einen Nachteil sehe ich, in der Baugröße, wodurch die Verbinder erst ab einer Materialstärke je nach Typ ab 28mm einsetzbar sind. 
Ich weiß jetzt wie es bei anderen Holzhändlern ausschaut, meiner hat aber bei Schnitthölzern zwischen 32 und 52mm selten was im Programm. 32mm könnte knapp werden, bei 52mm gäbe es zu viel Verschnitt.
Da das System hinter den Verbindern ja wirklich gut funktioniert, hoffe ich ja, dass Festool diese auch bald in einer kleineren Form, vielleicht sogar verarbeitbar mit der kleinen DF-500 anbietet. Das wäre dann wirklich genial.


Bezugsquelle:

Die Festool Eck- und Flächenverbinder könnt Ihr bei Holzfachmarkt Gerschwitz bestellen.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    wieder ein schöner ausführlicher Bericht.

    Interessant finde ich den Hinweis, die Löcher auch mit einer Schablone und Oberfräse zu erstellen.

    Bei einer Schablone wäre dann aber doch nicht unbedingt ein 14er-Fräser erforderlich, da würde doch auch ein 8ter reichen. Die Schablone muss doch sowieso abgefahren werden.
    Oder übersehe ich etwas?

    Gruß

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  2. Hallo Volker,

    das ist im Prinzip richtig, nur müsste dann die Schablone so gebaut sein, dass damit die komplette Kontur der 14mm Fräsung abgefahren wird.
    Bei einem passenden 14mm Fräser, muss sie nur den Weg der OF begrenzen, es reicht also ein entsprechend langer zur Kopierhülse passender Schlitz.

    Grüße
    Michael

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  3. Hi Micha,
    wie von dir gewohnt ein sehr ausführlicher Bericht. Vielen Dank für den Einblick in das System.

    Viele Grüße
    Thomas

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  4. Ja, ein sehr umfassender Bericht - Vielen Dank. Als Besitzer der DF-500 warte ich auch auf einen kleineren Verbinder - für den normalen Möbelbau sind die jetzigen Dinger einfach zu groß (wenn man mal vom Bau eines Bettgestells u.ä. absieht)

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  5. Zu den kleineren Verbindern für die DF-500:
    Ich habe auf der diesjährigen Roadshow mit einem Festool-Mitarbeiter gesprochen, er meinte die seien in der Entwicklung es wäre aber recht schwer - eben weil sie so klein sind. Wenn ich mich recht erinnere meine ich das sie ganze sechs Jahre gebraucht haben um die großen zu entwickeln man kann also nur hoffen ;)

    Grüße

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