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Freitag, 6. Februar 2015

Vorrichtung: Zero-Clearance Insert für Kappsägen


Beim Zuschnitt von Werkstücken für hochwertige Möbel, ist ein möglichst ausrissfreier Schnitt immens wichtig.













Um Ausrisse zu verhindern gibt es verschiedene Möglichkeiten. 
Beispielsweise kann man die Schnittkante, um die Fasern zu durchtrennen, zuerst mit einem scharfen Messer anritzen.
Eine andere Möglichkeit ist der Einsatz eines Opferholzes. Dabei handelt es sich einfach um ein Reststück, welches hinter das eigentliche Werkstück gelegt wird. Der Sinn dieses Opferholzes ist es, die Fasern an dem eigentlichen Werkstück zu stützen, damit sie eben nicht ausreißen können.
Bei einzelnen Schnitten ist das eine gute Methode, muss man allerdings dutzende Male etwas absägen, ist es recht aufwendig.
Eine dauerhafte Alternative, ist die Verwendung eines sogenannten „Zero-Clearance-Insert" (mir fällt spontan keine gute Übersetzung zu der Bezeichnung ein), das ist eine Einlage für Tischkreis- oder Kappsägen und funktioniert ähnlich wie ein Splitterschutz bei Stichsägen. Der Name sagt es schon, es handelt sich dabei um eine Tischeinlage, deren Ausschnitt kein Zwischenraum um das Sägeblatt hat und dadurch die Holzfasern bis direkt an die Zähne des Blattes stützt.
Sehr verbreitet sind dies Einlagen im amerikanischen Raum, das wird wahrscheinlich auch damit zusammen hängen, dass dort Tischkreissägen mit Spaltkeil eher die Ausnahme sind und sich somit solche Einlagen sehr einfach anfertigen und verwenden lassen.

Bei der Unterflurtischkreissäge die ich verwende, ist es sowieso nicht möglich solch einen Einsatz einzubauen. 

Wobei Festool dafür eine gute Alternative im Programm hat, einen Splitterschutz der direkt vor dem Sägeblatt sitzt und sich mit dem Sägeaggregat bewegt. 












Dieser umschließt zwar nicht das komplette Sägeblatt, aber an der wichtigsten Stelle, dort wo die Zähne Material abtragen, werden die Holzfasern gestützt.












Solch ein Einsatz, bzw. deren zwei kann man auch recht einfach für Kapp(-Zug)sägen bauen.
Die meisten verfügen über eine geschraubte Tischeinlage und diese wird einfach gegen eine eigene getauscht. Zusätzlich braucht man noch etwas, was die Fasern hinten am Werkstück stützt. Verfügt die Kappsäge über verschiebbare Anschlagbacken, kann auch dort ein Hilfsanschlag als Ausreissschutz angebracht werden. 

Gleichzeitig erleichtert solche eine Tischeinlage auch das genaue ausrichten des Werkstückes. Ist die Einlage noch nicht ausgeleiert, entspricht deren Kante genau dem Schnitt des Sägeblattes.

In diesem Artikel zeige ich als Beispiel den Bau und die Montage solcher Zubehörteile für die Festool Kapex.
Als Material für solche Einlagen eignen sich eigentlich alle härteren Hölzer, MPX Platten, Filmplatten, aber auch falls man an so etwas herankommt, Platten aus nicht zu hartem Kunststoff.
Ich habe mich für Buche Sperrholz in 8mm entschieden.

Im ersten Schritt  müssen die Maße der Tischeinlage ermittelt werden. Besteht diese aus nur einem Teil, kann sie einfach als Schablone für den Eigenbau benutzt werden oder auch einfach mit Oberfräse und Bündigfräser kopiert werden.

Bei der Einlage der Kapex ist es nicht ganz so einfach, da diese aus zwei Teilen besteht.
Deswegen ist es nicht möglich diese 1:1 zu übernehmen und die Tischaussparung muss ausgemessen werden.











Zunächst müssen die beiden original Einlagen demontiert werden (Je drei TX15 Schrauben), da es bei den hinteren recht eng zugeht, ist eine Ratsche recht hilfreich.












Der nächste Schritt ist das ermitteln aller benötigten Maße.
Länge und Breite sind für den Zuschnitt nötig ...

 















... und die Position der Schrauben.
Alle wichtigen Maße habe ich in dieser Zeichnung eingetragen.




Danach kann die Einlage zugeschnitten werden. Da die Schnittkante mit der Zeit verschleißt, empfiehlt es sich, 1-2 Einlagen auf Reserve gleich mit anzufertigen.

Die Einlage ist länger als der Zugweg der Kapex, daher habe ich den Zuschnitt auf der Precisio erledigt.













Als nächstes müssen die Bohrpunkte für die Verschraubungen angerissen werden.

 















Damit der Bohrer beim Ansetzen nicht wandert, habe ich die Stellen angekörnt.













Die Schrauben der Kapex sind leider nicht einfache Senkschrauben, sondern welche mit Flachkopf.













Daher ist auch das Anfertigen der Bohrungen nicht mit Bohren und Senken getan, ...

 












... sondern es muss zuerst mit einem 10mm Forstnerbohrer, eine etwa 3,5mm tiefe Sacklochbohrung für den Schraubenkopf erstellt und diese dann noch mit 4,5mm (für etwas Luft) durchgebohrt werden.
Ganz trivial ist die Sache aufgrund der geringen Materialstärke nicht, 1mm zu tief gebohrt und man ist fast durch.

Deswegen habe ich diese Bohrungen auch auf der Tischbohrmaschine mit Tiefenstopp erledigt. An einem Reststück probegebohrt und es kann nichts schiefgehen.












Noch durchbohren ...















... und fertig sind die Schraubenlöcher.

















Als letzten Schritt müssen die Ecken der neuen Tischeinlage nur noch entsprechend der Alten abgerundet werden.

Ich habe diese einfach von der Originalen abgezeichnet ...














... und dann mit dem Bandschleifer beigeschliffen.














Für eine optimale Funktion als Ausreissschutz ist es wichtig, dass die neu Tischeinlage genau bündig mit der restlichen Tischfläche abschließt, bzw. das Werkstück beim Sägen auch wirklich auf der Einlage aufliegt. Tut es das nicht, funktioniert der Ausreisschutz nicht.
Daher sollte man z.B. mit einem Stahllineal über die Tischfläche samt Einlage peilen, ob es auf dieser aufliegt. 













Falls die Einlage zu tief ist, können kleine Abweichungen durch unterlegen von Papier oder Plastikfolie ausgeglichen werden.
Bei mir war es umgekehrt, wußte ich aber schon als ich das Material raussuchte. Die 8mm Sperrholzplatte ist so ca. 0,5mm zu dick.

Der schnellste Weg für mich, war der Griff zum Falzhobel.

Paar mal über jede Seite ...















... und fertig.















Kleiner Tipp: Bei der ersten Einlage, die Hobelzüge zählen, dann muss man bei den restlichen nicht wieder probieren, bis sie passen.

Wer keinen Falzhobel besitzt, kann den Überstand auch abschleifen. 

Eine gute Wahl wäre da der Bandschleifer, bestückt mit Winkelanschlag und Andruckfeder.













Nach der Montage der neuen Einlage...














.... muss diese nur noch eingesägt werden und ist einsatzbereit.

 






















Die beiden Schnittlinien Laser zeigen es, die Kanten entsprechen logischerweise genau der Schnittkante.


















Als Schutz für Ausrisse am Heck des Werkstückes, habe ich noch zwei Hilfsanschläge angefertigt.

Wie man diese entwirft, ist recht egal. Es muss nur der Abstand von der Tischfläche zu den Befestigungspunkten und der Abstand bis zum Sägeblatt stimmten. 












Soll später auch noch das Sägeaggregat mit angebrachten Hilfsanschlägen geneigt werden können, ohne die Anschläge völlig entfernen zu müssen, sollte auch dafür genügend Platz eingeplant werden.
Der Rest ist völlig frei. Die Hilfsanschläge können deutlich länger wie die originalen gebaut werden, es können T-Nutschienen oder Skalenbänder eingelassen werden, usw.

Ich habe mich vorerst für eine einfache Variante entschieden. 














Vom Design her ähnlich der rechten Backe, nur meine Hilfsanschläge sind etwas länger. So habe ich noch ein wenig mehr Auflagefläche und ich kann ein paar mal, etwas von den Teilen absägen, bevor sie zu kurz werden.

Neu gemacht sind sie schnell und nachträglich eine Nut einfräsen ist auch kein Problem.
Was man speziell auch bei der Kapex beachten sollte, ist die Materialstärke.   

Die Werkstückklemme befindet sich recht nahe am Serienanschlag. 













Nimmt man Material, was dicker ist als ca. 10mm, kann die Klemme nicht mehr genutzt werden.

Die Form  habe ich aufgezeichnet ...















...und mit TKS und Stichsäge ausgesägt.















Die beiden Bohrpunkte für die Befestigungsschrauben, habe ich einfach direkt an der Maschine abgezeichnet.













Da sich die Markierung hinten befindet, musste ich zuerst fein vorbohren ...














... und konnte erst dann von vorne auf das Endmaß bohren.

Als Befestigungsmittel habe ich kurze Schloßschrauben, KFZ-Scheiben und Rändelmuttern verwendet.













Mit diesen kann ich die Hilfanschläge werkzeuglos und schnell bei Bedarf demontieren.














Nun ist die Kapex voll geeignet absolut ausrissfreie Schnitte zu erzeugen.













Bei 90° sind beide Seiten des Schnittes ausrissfrei.














Wird der Tisch geschwenkt ist die Unterseite weiterhin auf beiden Seiten ausrissfrei, nur die Hilfsanschläge müssen bei Winkelschnitten verschoben werden. 

Der Hilfsanschlag, welcher sich auf der Seite des spitzen Winkels befindet, kann weiterhin als Ausreissschutz genutzt werden, …













…der andere nicht mehr.















Da in den meisten Fällen nur an einer Kante ein ausrissfreier Schnitt nötig ist, ist es aber kein sonderliches Problem.
Ansonsten muss man halt doch zusätzlich mit einem Opferholz arbeiten.



Kommentare:

  1. Hallo Micha,

    Könntest du jetzt nach deiner Modifizierung einen erneuten Absaugtest der Kapex machen? Ist die Absaugung durch den Umbau noch besser geworden?

    Achja du hast Schlossschrauben und keine Stockschrauben verwendet ;)

    Gruß Jan

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    1. Hallo Jan,

      danke! Stock und Schloß verwechsel ich andauernd.

      An dem Ergebnis der Absaugung habe ich jetzt spontan keinen Unterschied festgestellt, habe aber auch nicht extra darauf geachtet.

      Grüße
      Michael

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  2. Top!
    Das wird mein nächstes Projekt!
    Danke für die Zeichnungen, ich werde das so mal probieren.
    christoph

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  3. Hab die Modifikation schon vor längerer Zeit an meiner Kapex durchgeführt. Bzgl. Ausreißschutz ist es top, aber die Absaugleistung ging doch erheblich zurück, vor allem wegen den hinteren Hilfsanschlägen. Diese unterbinden den Luftstrom zur bauseitigen Gummilippe. Ich verhelf mir so: Wenn der Ausriß egal ist, stelle ich die Hilfsanschläge weiter auseinander; ansonsten bleiben eben diese in Sägeblattstärke beisammen und akzeptiere die schlechtere Absaugleistung (dafür aber perfekten Schnitt).

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  4. Hallo Michael,

    wenn man die Säge durchs Werkstück schiebt reisst es auch ohne Ausreißschutz unten nicht aus.
    Da war doch in einer der letzten Holzwerken ein Beitrag über Kappsägen. Erst die Oberseite ziehend einritzen, dann vorn runterdrücken und nach hinten schieben. Den hinteren Ausreißschutz brauch man aber.

    Gruß, Ronny

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    1. Hallo Ronny,

      die Einlage schützt ja nicht nur vor Ausrissen, sondern auch davor, dass schmale Abfallstücke zwischen Einlage und Sägeblatt geraten und durch die Gegend fliegen.

      Grüße
      Michael

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  5. Mein Mann und ich werde diese Modifikation auch an unserer Kapex durchführen - vielen Dank für diesen super tollen Tipp und natürlich auch die ganzen anderen Beiträge, die du immer wieder hier veröffentlichst. Da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll!

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  6. Ich habe mir das für eine Metabo KS 216 M Lasercut nachgebaut. Für die Rückseite habe ich 60mm breite Streifen aus 8mm Buche Sperrholz verwendet. Die 60mm haben sich leider als zu hoch erwiesen - der Laser sitzt relativ niedrig und wird, da er genau auf die linke Schnittkante eingestellt ist, vom Holz auf der Rückseite teilweise abgedeckt.

    Wie hoch sind bei Dir die hinteren Hölzer direkt an der Schnittkante?

    Hat vielleicht ein Mitleser Erfahrung mit diesem Problem und einen Tipp für mich? Den Laser auf die Sägeblattmitte einstellen möchte ich nicht, und den hinteren Ausreißschutz unnötig niedrig machen ebenfalls nicht, damit verlöre er ja an Wirkung.

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    1. Hallo MIchael,

      bei mir sind sie 60mm, das bringt Dir aber nichts, da es bei der Kapex das Problem mit dem Laser so nicht gibt. Von daher kannst Du den Wert nicht 1:1 übernehmen.

      Grüße
      Michael

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  7. Auf der USA Festool Seite, gibt es eine erweiterte Bedienungsanleitung mit Mass- und Fertigungsangaben für Fence und Insert.
    Link: https://www.festoolusa.com/media/pdf/kapex-ks120-supplemental-manual.pdf

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