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Freitag, 24. Juli 2015

Tipp: Knauf oder Bügel, das ist hier die Frage.

Die Frage werden sich sicherlich viele beim Kauf der ersten Stichsäge stellen. Welche Bauform ist (für mich/den Nutzer) die Richtige.

Von irgendwelchen Exoten abgesehen, gibt es nur zwei Griffvarianten bei Stichsägen.

Die Knaufversion (vorne) die gerade bei Profis eher verbreitet ist und die Bügelform (hinten), von bösen Zungen auch als Heimwerker- oder Baumarktstichsäge betitelt.












In der Tat ist es so, dass die Bügelversion bei vielen Heimwerkern zufinden ist. Wobei ich denke, dass es weniger an der eigentlichen Griffform liegt, sondern viel eher an der Verfügbarkeit. Daher ist der Begriff "Baumarktstichsäge" schon recht treffend. Zu 95% sind die in Baumärkten angebotenen Stichsägen, welche mit Bügelgriff. Wenn überhaupt gibt es vielleicht ein Modell mit dem Knaufgriff, wobei dieser in vielen Fällen doch der praktischere wäre (zumindest nach meinem Geschmack. Viele Erstkäufer werden sicherlich gar nicht wissen, dass es eine weitere Griffvariante, neben der Bügelversion gibt.

Der Hauptunterschied liegt in der Bauhöhe des Griffes und somit auch mit der Position der Hand über dem Werkstück.













Im Beispiel einer Festool Carvex befindet sich die Hand bei der Knaufversion gerade mal 135mm über dem Werkstück. Dadurch liegt die Säge sehr stabil und kippsicher auf und kann genau geführt werden.











Bei der Bügelversion ist die Griffposition bei 200mm. Die Kippelgefahr wird größer und die Säge genau zu führen ist ebenfalls schwerer.












Ein weiterer Pluspunkt für die Knaufversion, ist die Möglichkeit, diese unter dem Werkstück zu führen.













Das ist zum einen durch die Griffform möglich und auch weil die Knaufsägen immer über einen Ein/Aus-Schalter verfügen und nicht einen Taster besitzen, der gedrückt gehalten werden muss.
Diese Technik braucht zwar etwas Übung, bietet aber zwei Vorteile:

1. Hat man freien Blick auf den Anriss und das Sägeblatt, so ist es einfacher, genau am Riss zu sägen.













2. Gerade bei Materialien mit empfindlichen Oberflächen, in diesem Beispiel  Laminat, bringt ein Schnitt mit von unten geführter Säge einen ausrissfreien Schnitt auf der Sichtseite des Werkstückes. Dies kommt daher, dass die Zähne des Sägeblattes von oben in das Material eintauchen.
Wird die Stichsäge konventionell angesetzt, tauchen die Zähne nach oben hin aus dem Werkstück und können so Teile der Oberfläche abreisen. Sichtbare Ausrisse sind die Folge. 







Ein Splitterschutz kann die Ausrisse minimieren, aber bei empfindlichen Oberflächen ist die Gefahr trotzdem recht hoch, dass der Schnitt nicht absolut sauber wird.

Mit einer Bügelsäge ist diese Technik nicht oder nur schwer möglich. 
Ich kenne da nur eine Ausnahme und das ist die Festool Carvex PSB, bzw. PSBC. 
Das Gehäuse ist so geformt, dass man die Maschine auch am Motor greifen kann, zusätzlich verfügt sie zu dem Gasgebetaster noch über zwei seitliche Ein/Aus-Schalter.


In der Summe könnte man nun sagen, eine Knaufversion hat immer nur Vorteile und die Bügelvarianten sind eher überflüssig.
Möchte ich so nicht stehenlassen. Sicherlich ist eine Knaufversion universeller zu verwenden, aber auch eine Bügelvariante hat ihre Daseinsberechtigung.

Zudem spielt bei der ganzen Sache auch die persönliche Vorliebe des Nutzer eine wesentliche Rolle. Ich kann mit einer Bügelstichsäge nicht so viel anfangen, der Griff liegt mir einfach nicht, aber es gibt sicherlich auch viele Anwender, bei denen es genau andersrum ist und sie einen Bügelgriff viel bequemer und praktischer finden.

Ein echter Vorteil der Bügelstichsägen ist die Möglichkeit, die Hubzahl während des Schnitte mit dem Gasgebetaster zu regulieren. So ist es möglich, ganz einfach mit niedriger Hubzahl anzusägen und nachdem das Sägeblatt gegriffen hat, Gas zu geben.
Auch bei der Blechbearbeitung ist es sinnvoll, bei engen Radien, die Geschwindigkeit etwas zu drosseln.
Das ist bei Geräten mit Knauf, sprich mit Schalter und SEPARATER Vorwahl der Hubzahl, nicht so einfach. Daher bieten manche Hersteller mittlerweile als Zusatzfunktion eine "Anfahrautomatik" an. Die Säge startet mit niedriger Hubzahl und sobald sie ins Material eingetaucht ist (Der Motor mehr belastet wird), regelt sie automatisch die Hubzahl auf Maximum.

Weiter laufen die Sägen nur solange, wie der Gasgebetaster gedrückt gehalten wird. Läßt man los, steht das Sägeblatt. Das ist ein Vorteil, wenn viele kurze Schnitte hintereinander erledigt werden müssen, man muss die Maschine nicht jedesmal zusätzlich am Schalter ein- und wieder ausschalten. Man könnte sie zwar laufen lassen, aber da sind wir dann beim Thema Sicherheit.

Daher sehe ich im Holzbereich die Bügelstichsägen eher im Zimmereibereich und im Innenausbau (mit Ausnahme des Sägens von unten). 












Dort werden ja vor allem schmale Werkstücke (wie Latten, Bretter, Kanthölzer) gekürzt und da ist eine Bügelstichsäge schon praktisch.













Auch dickere Hölzer, hier im Beispiel 90mm sind mit dem entsprechenden Sägeblatt kein Problem und es können noch Schnitte ausgeführt werden, bei denen Handkreis- und viele Kappsägen an ihr Limit stoßen.











Die Stichsägen mit Knauf sind meiner Meinung nach die Maschinen für den Tischler und Möbelbauer.

Dort wo eher mit Platten gearbeitet wird, also längere Schnitte ausgeführt ...














... oder auch feine Ausklinkungen hergestellt werden müssen.














Sowas geht für mich einfacher und genauer mit einem Knauf.

Auch lassen sich mit einer Knaufsäge einfacher komplexe Formen sägen. 













Zum einen weil sich die Säge durch die Bauform tiefer und damit "spurtreuer" greifen und zum anderen durch führen direkt am Knauf in Verbindung mit dem Dauerlauf über den Schalter auch sehr einfach um enge Radien zirkeln lässt.


Ich hoffe ich konnte mit diesem kleinen Artikel Erstkäufer einer Stichsäge etwas bei der richtigen Wahl der Griffvariante helfen.
Aber auch hier gilt zusätzlich: Anfassen! Schaut Euch die Maschinen vorher an, nehmt sie in die Hand. Ist der Griff angenehm, passt dessen Größe zur Hand, sind alle wichtigen Bedienelemente erreichbar? 
Auch nicht nur im Baumarkt gucken, sondern auch mal in einem Fachgeschäft vorbei schauen, die Wahrscheinlichkeit, dort auch Stichsägen mit Knauf zu finden und in die Hand nehmen zu können, ist deutlich größer als im Baumarkt.


Kommentare:

  1. Hi und danke für den tollen Vergleich.
    Aktuell habe ich leider noch eine Bosch Bügelstichsäge, habe mir aber auch angewöhnt von unten zu sägen. Da man den Schalter feststellen kann, funktioniert das zum Glück, auch wenn die Griffmöglichkeit sicherlich nicht die optimalste ist. Da ich eh von dem ganzen Bosch-Mist (die Stichsäge ist das letzte Gerät) weg will, wird es irgendwann auf jeden Fall ne Stichsäge mit Knauf. Viele Grüße,
    Andreas

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    1. Ohne mich jetzt für Bosch stark machen zu wollen, Bosch blau hat auch sehr gute Knauf-Stichsägen. Einfach mal anschauen.
      Gruß Stefan

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    2. Was die Winkligkeit anbelangt, haben Bosch Blau Stichsägen jetzt nicht den besten Ruf, auch diese 3. Rollenführung funktioniert wohl nicht so gut, wie man es erwarten sollte. Auch mein Test der blauen Akku Stichsäge war sehr ernüchternd.
      Daher wäre mein Tipp neben der Carvex oder Trion (Wenn es auf möglichst hohe Winkelgenauigkeit ankommt) eher noch Metabo oder die Makita 4351.

      Grüße
      Michael

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  2. Hallo,

    mal wieder eine schöne Darstellung von Dir.
    Anscheinend hat sich seit Jahrzehnten in den Köpfen vieler Heimwerker festgesetzt, dass eine Stichsäge zu den absolut erforderlichen Maschinen gehört, ja sogar fast ein Alleskönner ist. Dieser Annahme kam wohl die Bügelsäge entgegen, da sie von jedem einfach von oben geführt werden kann - dies erst einmal qualitätsfrei vom Ergebnis.
    Zu den Aussagen von Andreas kann ich nur anmerken, dass ich vor zwanzig Jahren für den Trockenbau eine Stichsäge benötigte. Unser Baustoffhändler führte nur blaue Bosch-Stichsägen. Persönlich habe ich diese vom ersten Tag an gehasst. Die Mitarbeiter nahmen sie für alle groben Ausschnitte und erachteten sie als vernünftiges Arbeitsgerät.
    Für meine eigenen Belange habe ich später dann eine Festool-Trion 300 mit Knauf angeschafft. Nach wie vor blieb die Stichsäge bei mir eher ein weniger genutztes Gerät. Wenn ich sie aber benötige, bin ich seitdem froh ordentliche Ergebnisse mit der Festoll zu erreichen.

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  3. Hallo Michael,
    wirklich sehr schöner Vergleich der beiden verschiedenen Varianten. Ich sitze gerade am Stichsägen-Test für werkzeugcheck.com und habe auch sowohl Bügel- als auch Knaufsägen. Ich habe bereits einen Artikel genau zu diesem Thema geplant. Wenn es dann soweit ist, werde ich deinen Artikel sicher darin verlinken!
    Bis dahin viele Grüße
    Etienne

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  4. Hallo und vielen Dank für den ausführlichen Vergleich. Das perfekte Werkzeug zu finden ist nicht immer leicht, aber äußerst wichtig beim Handwerken! Liebe Grüße, Kathreen von "Mach mal"

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  5. Ich habe jahrelang Bügelstichsägen aller möglichen Fabrikate benutzt und nicht einmal ist ein Schnitt auch nur ansatzweise rechtwinklig geworden. Möglicherweise liegt das an meiner Linkshändigkeit. Seit ca. 1 Jahr habe ich mir eine Festool Carvex mit Knauf zugelegt und da taten sich neue Welten auf. Was mich allerdings stört, ist die Tatsache dass der Einschaltknopf sehr weit vorn liegt und damit nicht so gut einhändig zu erreichen ist.

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    1. Hallo Dieter,

      versuch mal, den Taster mit dem Zeigefinger zu bedienen.

      Grüße
      Michael

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  6. Ich muss zugeben dass ich (für einen Mann von 1,78 cm) recht kleine Hände habe :))
    Meine Frau sagt aber das sei praktisch denn so komm ich zum putzen besser in die Ecken.
    Aber im Ernst. Auch mein Zeigefinger kommt nicht richtig an den Schalter wenn ich die Hand auf den Knauf lege.

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  7. Ich habe mir auch eine Carvex mit Knauf gekauft und finde sie nicht überzeugend. Der Ein/Aus-Taster liegt zu weit vorn und der Schwerpunkt liegt deutlich hinter der Griffposition, so dass die Maschine immer nach hinten kippt wenn man sie hoch hebt. Weiterhin ist die Frequenz des Stroposkoplichtes bei Stellung "A" im Leerlauf (also bevor man ins Material geht) zu gering und der Sicht eher hinderlich. Besser wäre es gewesen wenn die Maschine auf Dauerlicht steht und erst beim Hochfahren der Drehzahl das Stroposkoplicht einschaltet. Weiterhin flattert das Sägeblatt ziemlich stark, so daß der Ansatz nicht sauber ist. Ich habe eine ganze Reihe Festool-Geräte aber die Carvex ist das erste was ich unausgereift finde.

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