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Dienstag, 18. Februar 2014

Festigkeitsvergleich von div. Holzleimen

Beim Stöbern beim Stöbern im Internet bin ich über einen speziellen Sekundenkleber für Holz von Titebond gestolpert: Titebond CA Instant Bond








 

Da ein extrem schnell abbindender Kleber bei Reparaturen oder kniffeligen Aufgaben sehr nützlich sein kann, habe ich mir eine Flasche mitbestellt. Den Kleber gibt es in drei Viskositätsstufen: Dünnflüssig, zähflüssig und in Gelform. Ich habe mich für die mittlere, zähflüssige Variante entschieden. Dieser zieht auch nicht so schnell an und man hat etwa 10 Sekunden Zeit die Teile auszurichten, nach ca. 30 Sekunden ist eine Festigkeit erreicht, dass man die Teile nicht mehr fixieren muss.
Richtig einsetzen kann man so einen Kleber aber erst, wenn man weiß was er denn nun wirklich alles kann.

Daher habe ich zwei Versuche angestellt und den Sekundenkleber mit anderen Leimen verglichen, die ich in der Werkstatt einsetzte, bzw. noch da habe.


Und das hier sind die Kandidaten:


  • Titebond CA Instant Bond
  • Uhu Coll (Normal)
  • Otto Coll P84 (PU Leim)
  • Titebond II Premium Wood Glue
  • Soudal Pro 30D







Getestet habe ich die Verleimungen, die in der Praxis am häufigsten Vorkommen und auch, was die Festigkeit angeht, am unterschiedlichsten sind. Einmal zwei Holzstücke längs zur Faser und eine Verleimung von Hirnholz an Längsholz.

Dazu habe ich jeweils Teststücke mit den verschiedenen Leimen miteinander verklebt, mit ähnlichem Pressdruck versehen und, wie in der Praxis üblich, die Teile über Nacht abbinden lassen.













Hirnholz

Am nächsten Tag habe ich dann die Festigkeit der Verbindungen überprüft.

Da eine Hirnholzverleimung nicht sonderlich stabil ist, reichte für die Messung eine Zugwaage aus.














Dabei überraschte mich der Sekundenkleber. Die Festigkeit der Verleimung ist so gut, dass Fasern des (Längs)Holzes mit ausbrachen.
Das hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet.












Eigentlich wollte ich nur den Sekundenkleber mit einem normalen Weißleim vergleichen.


















Allerdings war das Ergebnis des Uhu Coll extrem mäßig im Vergleich zu dem Sekundenkleber (so gut wie keine Faserausrisse, die Leimfuge ist aufgegangen).












(Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, das gute Abschneiden des CA Klebers bei Hirnholz (Cyanacrylat), läge in seiner speziellen Art.)



Längs zur Faser

Da die Festigkeit einer Verleimung längs zur Faser extrem hoch ist, brachte mir die Zugwaage bei diesem Versuch nichts.

Deswegen befestigte ich an den Teststücken, welche auf der Hobelbank fixiert waren, eine Zwinge und hängte an diese so lange Gewichte, bis die beiden Teile auseinander brachen.












Auch hier Schnitt der Sekundenkleber gut ab, es riss sowohl teils die Leimfuge, als auch die Fasern des Holzes. 

Im Gegensatz dazu der Uhu Weißleim, bei ihm ist nur die eigentliche Leimfuge gerissen.

 








Damit war mir aber klar, da konnte was nicht stimmen, so schlecht ist kein Weißleim. Daher habe ich dann den Test mit den anderen Leimen ausgeweitet.

Der PU Leim von Otto Coll hielt dem Test stand, die Fasern brachen aus.














Ebenso der Titebond II Premium, auch hier war das Holz der schwächste Faktor














Bei dem Pro 30D Weißleim von Soudal musste ich passen, ich hab die Verbindung und das Holz mit diesem Testaufbau nicht auseinander bekommen.












Fazit:

Der Titebond CA Instant Bond, wegen dem ich den Versuch eigentlich gemacht habe, schnitt deutlich besser ab als ich es erwartet habe. Das freut mich, so kann ich den Kleber nicht nur für kleine Reparaturen an Teilen die nicht sonderlich belastet werden einsetzen, sondern auch bei Verbindungen die beansprucht werden. Gut zu wissen!

Das schlechte Abschneiden des Uhu Coll, kann ich mir eigentlich nur damit erklären, dass der Leim schon gut drei Jahre alt ist. Wobei Weißleim da ja weniger kritisch sein sollte. Allerdings zieht er immer noch schnell an und härtet auch nach 1-2 Stunden transparent aus, von daher ist mir da bis jetzt noch nichts negatives aufgefallen.
Alle anderen Leime nehmen sich mit der Festigkeit nicht viel, bei der Hirnholzverleimung waren sie alle dicht auf und längs-an-längs war eh in allen Fällen das Holz das schwächste Glied. Am besten hat der Soudal Pro 30D abgeschnitten.

Die genauen Ergebnisse könnt ihr dieser Tabelle entnehmen:
  • Leim                                   Hirnholz       Längs
  • Uhu Coll                                  8kg          45kg
  • Titebond Sekundenkleber dickflüssig      19kg         100kg
  • Ottocoll P84 PU Leim                     24kg         110kg
  • Titebond II                              22kg         110kg
  • Soudal Pro 30D                           25kg        >115kg


Das dies kein wissenschaftlicher Test war ist mir klar, allerdings reicht mir das Ergebnis völlig aus, um zu wissen, was die Leime in der Praxis aushalten.




Kommentare:

  1. Hallo Micha,

    Interessanter Test.
    Was noch zu beachten wäre, dass Sekundenkleber eine sehr hohe Anfangsklebekraft hat, die mit der Zeit nachlässt. Ob dies bei dem von dir getesteten Sekundenkleber auch zutrifft, oder ob er modifiziert wurde weiß ich nicht.
    Ursprüglich wurden Sekundenkleber dafür entwichelt, Elektronikbauteile auf Platinen zu fixieren um Diese verlöten zu können. Danach wurde die Klebekraft nicht mehr gebraucht.
    Interessant wäre zu wissen, wie sich der Sekundenkleber noch Wochen verhält. Zum schnellen Ffixieren ist er bestimmt geeignet.
    Wie ist deine Einschätzung zum Thema Weißleim? Verhalten sich alle Weißleime wie UHU Coll oder sind da Klebekraftunterschiede zu erwarten?

    Gruß, Karl

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    1. Moin Karl,

      Was der Kleber auf Dauer macht, weiß ich auch noch nicht. Allerdings ist es anscheinend kein gewöhnlicher Sekundenkleber, auf der Flasche steht extra "Vor Frost schützen".
      Normalem Sekundenkleber macht das ja nix, bzw. er hält sich tiefgekühlt bedeutend länger.

      Deine Frage zu dem Weißleim kann ich nicht beantworten. Ich war ja selbst über den UHU überrascht. Bis jetzt dachte ich, entweder Weißleim funktioniert oder halt nicht mehr.

      Grüße

      Micha

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  2. Hallo
    Das mit der Elektronikklebung stimmt nicht. Cyanacrylat gab es schon viel eher. Auch wurde es vor der Elektronikverwendung schon zur Wundverklebung benutzt!
    Ich zitiere mal aus Wikipedia:

    Cyanacrylat wurde erstmals vom amerikanischen Chemiker Harry Coover, der bei der Firma Eastman Kodak in New York an der Entwicklung von optischen Prismen für Waffen arbeitete, während des Zweiten Weltkriegs entdeckt. Die extreme Klebrigkeit der Substanz, die bei der Verarbeitung störte, verhinderte aber zunächst ihren industriellen Einsatz.[2] Bald wurde diese Eigenschaft aber gewinnbringend vermarktet: Cyanacrylat wurde 1956 patentiert und mit Eastman 910 kam 1958 der erste Klebstoff auf dieser Basis in den Handel

    MfG PS

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  3. Hallo Micha,
    was spricht aus Deiner Sicht dagegen, PU-Leim für alle Klebungen zu verwenden? Gegenüber Weißleim hat er einige Vorzüge, insbesondere die lange offene Zeit ist praktisch, weil stressfreier. Spaltüberbrückend ist ebenfalls manchmal notwendig.
    Außer dem Preis, was spricht dagegen?
    Beste Grüße, Thomas

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    1. Hallo Thomas,

      die offene Zeit kommt ja auf den verwendeten Leim an, der hier getestete Otto Coll P84 ist sehr schnell.
      Neben der bei der Verarbeitung größeren Belastung mit Chemie (wen es stört), ist ne größere Sauerei. Handschuhe sind eigentlich Pflicht, auch sonst können Tropfen schlechter weggewischt werden wie bei Weißleim.

      Grüße
      Michael

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  4. Super, danke für den Test. Meine nächste Flasche wird eine von Soudal. Ohnehin ist mein Leimverbrauch immens gestiegen in den letzten zwei Monaten, jetzt bin ich bei ca. 50ml pro Woche, da sind die 750ml schon bald aufgebraucht.

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