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Sonntag, 12. Juli 2020

Tipp: Bosch GKF 12V-8 "möbelbaufähig"?

 In einer losen Folge von Beiträgen möchte ich Euch einige kleine Tipps & Kniffe im Umgang mit Maschinen für die Holzbearbeitung mit auf den "holzigen Weg" geben.


Zugegeben der Titel klingt etwas komisch und ein richtiger Tipp ist es auch nicht. Mir fiel nur keine andere Rubrik ein.

Seit einiger Zeit besitze ich eine kleine 10,8V Akkukantenfräse von Bosch Blau. Die GKF12V-8. GewerblicheKantenFräse mit marketingwirksamen 12 V und 8 mm Spannzange.








Einen detaillierten Bericht möchte ich an dieser Stelle nicht machen. 
Nur soviel: Die GKF 12V-8 ist schon nicht schlecht. Klein, liegt gut in der Hand, dank BL Motor mit akzeptabler Laufzeit bei gutem Drehmoment und praxisnaher Ausstattung für Draußen und die Baustelle. Für die Werkstatt eher bedingt, weil keine Absaugung möglich. Schön ist die einfache Tiefenverstellung des Fräsers und die Spindelarretierung. Es liegt sogar ein richtiger Maulschlüssel bei und kein Blechstanzteil, schick. Angenehm leise ist sie ebenfalls.

Worum es mir in diesem Artikel geht ist die Sache mit der Drehzahl.
Viele Youtuber loben die kleine Fräse ja "über den grünen Klee". Zugegeben, sie ist wirklich praktisch und mal eben schnell, evtl. auch fern ab jeder Steckdose ne Kante fasen oder abrunden geht wirklich super. 
Den ersten großen Einsatz hatte meine GKF bei dem Terrassenprojekt. Dafür war sie optimal, kein störendes Kabel auf dem Boden, ich konnte mit dem Teil "hin und her springen"und für so was reicht die Schnittqualität gerade so aus.

Wo sehe ich denn nun das große Manko der kleinen GKF? Es ist die sehr geringe Drehzahl der Maschine. Das war mir schon vor dem Kauf klar und bestätigte sich im Einsatz. Sie läuft gerade mal mit (bei vollem Akku und ohne Last) mit 13000 UpM.
Das ist sehr wenig und die Drehzahl bricht bei Last schon merkbar ein. Ich schätze es liegt daran, um der Maschine ein akzeptables Drehmoment mitzugeben, muss halt die Spindeldrehzahl reduziert werden. Ansonsten bräuchte es einen stärkeren Motor, der wiederum größer wäre und die Akkus schneller leer saugt.

Zur Theorie: 
Für Holz wird eine Schnittgeschwindigkeit von mindestens 50 m/s angegeben um über die nötige Spaltgeschwindigkeit von 40 m/s zu kommen. Diese ist nötig, um eine möglichst sauberes Ergebnis zu erlangen und um die Gefahr von Rückschlägen zu reduzieren. 
Problem bei Oberfräsen sind die eher kleinen Werkzeuge, da braucht es schon Fräser von über 40 oder 50 mm bei maximaler Drehzahl der Maschine, um an diese Schnittgeschwindigkeit heran zu kommen. Das ist auch der Grund, warum z. B. der große Falzkopf von Festool so saubere Ergebnisse liefert.

Bei kleinen Profilfräsern, sieht das aber schon anders und deutlich schlechter aus.
Mein Kantenfräse die MFK 700 ist auch die Fräse mit der höchsten Drehzahl die ich besitze.
Sie dreht mit 26000 UpM schon mal doppelt so schnell wie die GKF und bricht bei Last auch weniger ein.
Anmerkung: Manche werden sich denken, einfach Maschinen mit höherer Drehzahl bauen. Jein. Im Grunde richtig, nur übersteigt man dann die Grenzen für die Oberfräser zugelassen sind. Für die meisten kleineren Fräser ist bei um 28000 UpM einfach Schluss. Daher würde eine Fräse mit über 30000 UpM nichts bringen, weil es dafür keine Werkzeuge mehr gibt.

Nehme ich mal einen angenommenen Fräserdurchmesser von 20 mm sieht das optimal gerechnet so aus:
MFK 700: 26000 UpM = 27,2 m/s
GKF 12V-8: 13000 UpM = 13,6 m/s
Von den im Grunde notwendigen 50 m/s ist die MFK noch weit entfernt, schafft sie gerade mal knapp die Hälfte. Die GKF ein Viertel.
Je kleiner der Fräser umso bescheidener wirds.

Längs zur Faser bei passendem Faserverlauf, spielt das eine nicht so große Rolle, die Ergebnisse werden trotzdem recht sauber.

Quer zur Faser und dann noch bei heiklen Hölzern, wie weichem Nadelholz, wo es wirklich scharfe Schneiden und Geschwindigkeit braucht, sieht das anders aus.

Ich habe mal testweise eine Kante an Douglasie Hirnholz mit den beiden Fräsen gefast um das mal bildhaft vergleichen zu können.









Die MFK liefert ein recht sauberes Schnittbild. In den weichen Frühholzbereichen bemerkt man aber Ausrisse. Ein Großteil davon lässt sich aber noch durch Schleifen entfernen.








Bei der GKF sieht es so aus. Im Ganzen eine rauere Oberfläche und im Frühholz teilweise Ausrisse, die sich auch durch Schleifen nicht entfernen lassen, ohne die Kante völlig zu verschleifen.








Was möchte ich nun damit sagen?
Auf keinen Fall möchte ich die kleine GKF 12V-8 schlecht machen. Bei der Terrasse war sie wirklich ein praktischer Helfer. Das kleine "Spielzeug" ist für viele Sachen schon richtig cool.
Nur sollte man sich seine Maschinen nach dem benötigten Einsatzzweck auswählen und auch nicht denken, mit einer geht alles. Für die berühmte "Möbelbauqualität" reicht die Drehzahl einer GKF 12V-8 einfach bei weitem nicht. Drehzahl, bzw. Schnittgeschwindigkeit haben viele nicht im Blick und wundern sich, warum es beim Fräsen, Bohren, Sägen, ... zu Ausrissen kommt.











Kommentare:

  1. In meinen Augen ist jede kleine Fräse unflexibel, sobald diese keine Drehzahlregelung hat. Entweder dreht das DIng dann zu hoch oder zu niedrig - und damit wird dann auch der EInsatz limitiert. Typisches Beispiel ist die netzgebundene BOSCH GKF 600. Eigentlich ein tolles Maschinchen, aber auch wieder ohne Drehzahlregelung. Bisher habe ich alle BOSCH Kantenfräsen nach kurzer Zeit wieder zurückgegeben. Makita oder Dewalt sind hier in meinen Augen aktuell das Maß der Dinge.

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    1. Ja, sehe ich genauso.
      Die Bosch sehe ich mittlerweile für mich fast als Ausrutscher an. Ich denke ich gebe sie wieder ab, nur für ab und an mal ein Projekt draußen, dafür ist sie eigentlich wieder zu schade zum rumliegen.

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