Mit die wichtigste Maschine in der Holzwerkstatt ist eine (vernünftige) Tischkreissäge. Als ich mit dem Holzwerken anfing, stand ich eigentlich Maschinen und Werkzeug mäßig bei Null. Meine Werkstatt war zwar gut bestückt, aber halt nur in Richtung Metall und KFZ. Nach einigem Lesen in den einschlägigen Foren (das klingt irgendwie immer so wichtig), wußte ich im Prinzip eine Neumaschine deutlich unter 1000€ taugt nur wenig. Ich muß zugeben, ich wollte es nicht wahrhaben und hab mir daraufhin eine Bosch PTS 10 gekauft, mit dem Gedanken "so falsch kann es nicht sein". Sie hatte sogar einen Schiebeschlitten. Schnell wurde mir aber folgendes klar: Sie war von Bosch, Sie war grün, sie kam aus Fernost...sie war sch*****! Das Hauptproblem an dieser Säge ist die sehr weiche Aufhängung das ganzen Sägeaggregates und deutliches Spiel am Sägeblatt. Je nach dem wie fest man an dem Handrad der Winkelverstellung dreht, sind Werte von 90-92,23675476° möglich. Es war schlicht unmöglich einen sauberen geraden Schnitt hinzubekommen. Auch stand der Spaltkeil 2mm neben dem Sägeblatt, dies könnte ich zwar duch unterlegen von U-Scheiben und Biegen am Spaltkeil korrigieren, aber Qualität ist was anderes.
Da in naher Zukunft ein Sparvertrag fällig wurde, war klar ein Teil davon wird in eine andere Tischkreissäge investiert. In der Zwischenzeit habe ich viele Infos gesammelt und zum Schluß standen entweder eine Metabo Magnum TK 1688D oder eine Metabo PK 255 DNB fest. Als es dann endlich soweit war, habe ich die PTS 10 verkauft und mich auf die Suche nach einer TK 1688D im guten Zustand und in meiner Nähe begeben...es war aussichtslos. Entweder schlechter Zustand oder zu weit weg. Ich habe mir dann eine neue Metabo PK 255 im Set mit Basisträger und Schiebeschlitten bestellt. Dazu noch das Absaugset, Basisträgerverlängerung + Tischverbreiterung Plus und Tischverlängerung.
Lieferzeit sollte 3-4 Wochen sein, aber bereits nach nach 5 Tagen klingelte die Spedition und zwei Paletten standen im Hof.
Der Aufbau der über 70kg schweren Säge war ziemlich einfach, die anschließende Justage hat aber Stunden gedauert. Ich hatte bis jetzt noch keine Erfahrung mit so etwas, auch habe ich mich bemüht sorgfältigst zu arbeiten um später was die Präzision angeht, wirklich 100%ige Ergebnisse mit der Säge erzielen zu können. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Es liegen wirklich ganze Galaxien, nicht nur Welten, zwischen der PK255 und der Bosch PTS10, dies merkt man alleine auch schon am Geräusch, währen die PTS 10 eher ein rappelndes Dröhnen von sich gab, macht die PK 255 eigentlich nur sssssssssssssssssssssss. Von der Präzision und der Stabilität mal ganz zu schweigen. Winkelverstellung gegen Anschlag und der Winkel steht, selbst durch kräftiges drehen, verändert sich da nichts mehr dran, auch die Lagerung des Sägeblatts ist absolut spielfrei, was man bei dem Preis aber auch erwarten darf.
Zum mosern findet sich immer etwas, bei meiner PK 255 wären das ein Versatz nach links von ca. 0,5 mm des Sägeblatts von tiefster zur höchster Einstellung. Drehe ich das Sägeblatt fast ganz nach unten, stelle am Parallelanschlag einen Wert ein und wenn ich nun das Blatt auf höchste Schnittiefe stelle, ist der Abstand zwischen Sägeblatt und Pallelanschlag 0,5mm größer geworden. Da ich eh meist mit Zollstock die Schnittbreite abmesse, stört mich das überhaupt nicht, zumal das Problem reproduzierbar ist, so könnte ich auch die Skala am Sägetisch verwenden und müßte nur je nach Sägeblattstellung, den halben Millimeter abziehen. Das Problem tritt auch bei geneigtem Sägeblatt auf, die Ungenauigkeit wird wohl in der Hebemechanik liegen und dort läßt sich nichts justieren.
Auch ist der Schiebeschlitten von der Stabilität nicht mehr mit dem früherer Magnum Sägen zu vergleichen. Keine Rohre und keine Kugellager mehr, sondern nur noch Aluminiumprofile und Teflongleitlager.
Von der Basisträgerverlängerung hatte ich noch die Skala für die UK Sägen übrig, die habe ich an den Winkelanschlag des Schiebeschlitten geklebt, so habe ich auch dort eine Skala für den verschiebbaren Anschlag. Da diese Skala verständlicherweise nicht bei 0mm anfing, habe ich oben auf den Winkelanschlag noch die 10er Werte aufgeklebt. So kann ich alles direkt ablesen und muß nichts rechnen.
Den Miniknebel an dem Parallelanschlag habe ich gegen einen großen Griff eines Bürodrehstuhles getauscht, dieser läßt sich wesentlich besser greifen. Warum Metabo da so ein kleines Ding verbaut und keinen richtigen Griff wie bei den älteren Maschinen ist mir rätselhaft.
Als Absaugung für die Maschinen nutze ich eine kleine Woodster dc04. Das Teil ist von der kleinen Fassungsmenge mal abgesehen, gar nicht mal schlecht.
| Der Schiebeschlitten samt Anschlag im Einsatz. |
UPDATE:
Da ich eh bei Feine Werkzeuge bestellen "mußte", habe ich noch eine passende selbstklebende Skala mitbestellt und mein "Provisorium" durch diese ersetzt.
NEIN die Skala steht nicht auf dem Kopf, man liest die Sache ja von oben ab.
Das Schanier des Anschlagreiters am Schiebeschlitten bestand nur aus Poppnieten. Aus diesem Grund, war das Umklappen immer ein kleiner Kraftakt. Die Klappe war extrem schwergängig und wenn man mit Gewalt an etwas exakt eingestelltes rangeht, besteht immer die Gefahr, man verstellt was.
Ich habe die Nieten ausgebohrt und durch passende M6 Edelstahlschrauben und Polystoppmuttern ersetzt. Für die nötige Friktion sorgen Federinge ebenfalls aus VA. So läßt sich jetzt der Anschlagreiter mit einem angenehmen Widerstand bedienen. Warum das bei einer SÄge in dieser Preisklasse so billigst gebaut wurde, bleibt ein großes ?. Die Zeiten der 1A ausgestatteten Metabo Magnum Maschinen sind leider vorbei.
UPDATE 2:
Ich habe dem Parallelanschlag noch einen anderen Knauf spendiert, ade Bürostuhlgriff.
Der neue ist sogar aus der Metabofamilie, ein Drehknauf einer Oberfräse.
Bezugsquelle:
Die Metabo PK 255 DNB könnt Ihr bei Holzfachmarkt Gerschwitz bestellen.
